Freitag, 14. Dezember 2018

Und so ist Ferruccio Busonis selten gespielte Oper "Doktor Faust" im Theater Osnabrück in der Inszenierung von Andrea Schwalbach - eine Rezension und Kritik (Spielzeit 2018/2019)

Osnabrück - Dieser Artikel hat jetzt über ein halbes Jahr lang auf Halde gelegen bzw. auf seine Veröffentlichung gewartet. Aber so war das auch geplant. Ende Juni war ich in offizieller Mission in Sachen Osnabrücker Nachrichten(ON) in einer Opernaufführung von "Doktor Faust". Aber weil mein Kollege Werner Hülsmann und ich das Thema vor allem zur Wiederaufnahme am 19. 12. etwas größer behandeln wollten, hatte Werner nach der Premiere nur ein paar Notizen gebracht und ich die eigentliche Besprechung zwar geschrieben, von frischen Eindrücken erfüllt, aber vorerst beiseite gelegt. Nun war es soweit. Bevor diese Oper also auf den Spielplan zurückkehrte, ist der Artikel erschienen. Es geht um: Feruccio Busonis Oper "Doktor" in der Inszenierung von Andrea Schwalbach als weitere Musiktheater-Produktion des Theaters am Domhof in der Spielzeit 2018/2019.

Meine paar Gedanken, die ich zu dieser Operninszenierung verfasst habe, lassen sich in der Mittwochsausgabe vom 12.12.2018 auch im E-Paper der ON finden (und dort auch als pdf-Seite runterladen oder ausdrucken oder per Mail verschicken). Leider lässt sich der Artikel als solcher von dort aber nicht verlinken, deswegen habe ich ihn als reinen Text auch hier in diesen Blog einkopiert, er findet sich unten angefügt, unter dem Bild. 



Opernerlebnis im „Surround-Sound“

Atmosphärisch düsteres Grundrauschen und Psychoanalyse: „Doktor Faust“ ist Theater für die Sinne


Osnabrück (ON) – Um gleich zwei Dinge in Sachen „Doktor Faust“ vorwegzunehmen: Nein, mit Goethe hat diese Oper nichts zu tun. Sie beruft sich stattdessen auf die mythologischen Faust-Urstoffe, derer sich schon Goethe selbst bediente. Und zweitens, nein, eine Wohlfühlmusik zum Reinlegen wird hier nicht geboten. Dafür aber eine hochspannende musikalische Lautmalerei mit durchaus gruseligen Surround-Sound-Anmutungen. Kombiniert mit den suggestiv gearbeiteten großen Bildern, die die Regisseurin Andrea Schwalbach schafft, und der hochkarätigen Ensembleleistung, wird ein erlebenswerter Opernabend daraus. Einer, der lange nachwirkt.

Gestartet im Sommer zum Ende der auslaufenden Spielzeit, stand diese neue Opernproduktion erst zwei Mal auf dem Spielplan im Theater am Domhof – mit ihrer Rückkehr am 19. 12. (Mi., 19.30 Uhr ) geht die Oper nun in ihre eigentliche Aufführungsphase. Grund genug, noch ein paar Zeilen darüber zu schreiben.
„Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust …“ Nur zwei? Quatsch, das sind ganz viele!
In Coachings und in der Psychotherapie wird gerne mal mit einer Methode gearbeitet, die sich das „innere Team“ nennt und die vom Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun entwickelt wurde. Es geht darum, sich sein inneres Seelenleben wie eine Bühne vorzustellen und sich darüber klar zu werden, wieviele innere Stimmen, innere Figuren, diese eigentlich bevölkern.

Genauso hat die Regisseurin Andrea Schwalbach ihren „Doktor Faust“ angelegt. Da geht der Vorhang auf und wir tauchen ein ins faustische Seelenleben: Alle sind sie hier schon versammelt, die inneren Treiber und Mahner, die Geilheitsgetriebenen, die Wissensdurstigen, ebenso der allmächtige Verführer, auch ein bereits vom Faust in den Tod getriebenes Gretchen ist zu sehen, ein alternder Faust in Todesnähe – und dazu das innere Kind, das nirgends Zärtlichkeit erhält.


Einblicke in die faustsche Seele: Was Friedemann Schulz von Thun erfunden hat, wird hier Bühnenwirklichkeit... (Alle Fotos: Jörg Landsberg/Theater Osnabrück)

Später wird sich herausstellen, dass dieses Kind eine zweifache Symbolik erfahren darf: Einerseits als seelisches Innenleben, andererseits als ein tatsächlich totes Kind, das Faust auf dem Gewissen hat. Hin- und hergerissen zwischen der Suche nach mystischer Allmacht und einer gewaltigen Geilheit, verführt dieser noch in ihrer Hochzeitsnacht die frisch vermählte Herzogin von Parma, nur um sie für einen viel zu frühen Tod zurückzulassen. Und doch hinterlässt sie ihm noch einen Sohn, der aber selbst an Vernachlässigung sterben muss, weil es Faust, kaum ist der Trieb gestillt, wieder in die Allmacht treibt … und hin zu Mephistopheles, der ihm diese verschaffen soll.

Gelegentlich auftauchende Puppenköpfe verorten das Bühnenspiel dort, wo es herkommt: Aus dem mittelalterlichen Figurenspiel (Kostüme: Stephan von Wedel). Hier und da herumliegende Bücher dienen als Symbole für die Welt des irdischen Wissens. Faust ist ihrer längst überdrüssig geworden, es braucht erst eine Reihe beflissener Studenten, damit dieser Schatz an Erkenntnissen und Forschung entstaubt und sauber aufgestapelt zu neuem Recht kommt.



Die Bühne von Anne Neuser ist geschickt zurückhaltend gestaltet, überrascht aber doch immer wieder durch spannen-de Elemente wie plötzlich ineinanderlaufende Figuren auf den Hintergrundflächen. Symbolistische Details wie eine zerrupfte Rückwand illustrieren später zudem den zunehmenden inneren Verfall des Doktor Faust.

Das musikalische Material ist dicht und beklemmend, aber durchaus anspruchsvoll: Was Ferruccio Busoni hier in dieser selten gespielten Oper komponierte, ist – obwohl er ein Zeitgenosse von Puccini war –, mehr eine „Musik, bei der man als Zuschauer mitarbeiten muss“, wie es der mitgekommene Kulturfreund treffend formulierte. Aber packend von der ersten Sekunde bis zur letzten, vor allem, weil der Generalmusikdirektor Andreas Hotz mit dem Osnabrücker Symphonieorchester diese Partitur höchst präzise und energiegeladen gestaltet. Anklänge an Richard Strauss oder den späteren Benjamin Britten tauchen auf – und am eindrucksvollsten wird die Musik immer dann, wenn sie aus ganz anderen Ecken als dem Graben ertönt, denn Busoni hat hier erstmals mit einer Art Theater-Rundumklang mit viel Farbenreichtum und ungewohnten Tönungen experimentiert.




Vor allem in einer Szene, in der Faust in einer Séance die verschiedenen Teufelsfiguren herbeiruft, scheinen Stimmen und Klänge von fast überall zu kommen. Später erklingt von weit hinten der Klang einer sich entfernenden und dann doch wieder nähernden Orgel. Dies ist indes keine echte Orgel, wie der leitende Musikdramaturg Christoph Lang auf Nachfrage der ON sagt: „Über eine wirkliche Bühnenorgel verfügen nur einige sehr große Häuser“, sagt er. Der Orgelsound muss hier also elektronisch erzeugt werden, klingt aber so gut wie echt.

Das ist alles höchst effektvoll und wirklich aufregend. Ebenso wie übrigens die Leistung des gesamten Ensembles, das dieses immerhin drei Stunden dauernde Mammutwerk mit viel Talent und Esprit bewältigt. Allen voran Gastsänger Jürgen Müller von der Semperoper in Dresden, der als Mephistopheles alle gesanglichen Klippen mühelos umschifft und mit seinem dezent-pointiertem Schauspiel eine bemerkenswert charismatische Boshaftigkeit vermittelt. Rhys Jenkins als Doktor Faust neigt gelegentlich zum Overacting, zeigt sich aber stimmlich von einer kraftvollen Präsenz, die auch nach ganzen drei Stunden und einer recht fordernden Partie nicht nachzulassen scheint.



Auch in allen Nebenrollen überzeugen hochkarätige Ensemblemitglieder: Lina Liu mit ihrem eindrucksvollen stimmlichen Gestaltungsreichtum als Herzogin von Parma, der in Glanzhosen herrlich zwielichtig auftretende Mark Hamann als ihr Gatte auf zu kurze Zeit, Genadijus Bergorulko als ein Zeremonien-Conférencier wie aus einer Cabaretinszenierung (mit bemerkenswertem schauspielerischem Talent), Jan-Friedrich Eggers mit seiner inzwischen für dieses Haus fast zu groß gewordenen Stimme als seelengequälter und rachsüchtiger Gretchenbruder. Der Bass José Galisa spielt Fausts Assistenten Wagner, hat aber seinen stimmlich mitreißendsten Einsatz aus dem Off als eine der Teufelsfiguren. Und als alternder Faust ist der in Osnabrück immer gern gesehene Hans Hermann Ehrich zu erleben. Auch die verschiedensten Mitglieder des Chores dürfen immer wieder durch Einzelpassagen glänzen, wenn auch der Chor nur selten auf der Bühne zu erleben ist. Dafür aber umso häufiger aus dem Hintergrund zum atmosphärisch-düsteren Grundrauschen beiträgt.

So entfaltet sich ein fesselnder Opernabend, der trotz all seiner modernen Musik und trotz der symbolistisch-analytischen Inszenierung nicht eine Sekunde lang langweilig wird … Ansehen!



Die nächsten Aufführungen:  Am 31. 1., Donnerstag und am 5. 2., Dienstag, jeweils um 19.30 Uhr. -- Im Theater am Domhof, Osnabrück. -- Infos und Karten unter Telefon 05 41/7 60 00 76.

Transparenzhinweis: Besuch einer Vorstellung im Juni durch Pressekarten, freundlicherweise vom Theater zu Rezenionszwecken für die ON zur Verfügung gestellt.

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Freitag, 7. Dezember 2018

So ist die Operette "Der Bettelstudent" vom Komponisten Carl Millöcker im Theater Osnabrück in der Inszenierung von Guillermo Amaya - eine Rezension und Kritik (Spielzeit 2018/2019)

Osnabrück - Diesmal war ich wieder in offizieller Mission unterwegs. Dass ich in diesem Blog gerne mal etwas über das Theater Osnabrück schreibe - weil sich dann meine zwei leidenschaftlichsten Hobbies auf das Vortrefflichste vereinen, das Erleben von Theater und das Bloggen -, ist bekannt. Dass ich in offizieller Funktion gelegentlich als Vertreter der Osnabrücker Nachrichten (ON) einspringe, wenn Kollege Werner Hülsmann nicht kann, ebenfalls. Nun war es wieder einmal soweit. Es stand auf dem Spielplan: Carl Millöckers "Der Bettelstudent" in der Inszenierung von Guillermo Amaya als weitere Musiktheater-Produktion des Theaters am Domhof in der Spielzeit 2018/2019.

Meine paar Gedanken, die ich zu dieser neuen Operettenproduktion verfasst habe, lassen sich in der Mittwochsausgabe vom 5.12.2018 auch im E-Paper der ON finden (und dort auch als pdf-Seite runterladen oder ausdrucken oder per Mail verschicken). Leider lässt sich der Artikel als solcher von dort aber nicht verlinken, deswegen habe ich ihn als reinen Text auch hier in diesen Blog einkopiert, er findet sich im Folgenden angefügt, unter dem Bild. 


Spielfreude, Feuerwerksglühen und Glanzmomente

„Der Bettelstudent“ am Theater Osnabrück ist ein Operettenabend zwischen knalligen Comic-Farben und überzeugender Ensembleleistung


Osnabrück (ON) – Im engsten Freundeskreis des Rezensenten gibt es vor allem jene Sorte Theaterbesucher, die die Pause gerne zum frühzeitigen Verlassen des Hauses benutzen, wenn der erste Teil des Abends sie nicht bereits vollends überzeugt hat. Im Falle des Bettelstudenten hieße das allerdings, das Beste zu verpassen. Denn was hier zu Beginn noch arg quietschig und comichaft überzeichnet daherkommt, mutiert nach der Pause zum schwungvollen Operettenvehikel, das sich genau rechtzeitig auf seine Kernqualitäten besinnen kann. Allen voran: ein hervorragendes Ensemble.

Es ist eine der goldenen Regeln des Theatergeschäfts: Wer wirklich witzig sein will, sollte nicht witzig sein wollen, weil sich echte Komik viel besser aus einer gewissen Ernsthaftigkeit entfaltet – sonst wirkt es schnell krampfig, bemüht oder gar peinlich. Nicht immer ist es jedoch den Operettenregisseuren der vergangenen Spielzeiten im Osnabrücker Theater gelungen, eine wirklich komische Inszenierung abzuliefern.

Entsprechend hoch waren jetzt die Erwartungen vor der Premiere von Carl Millöckers um 1880 geschriebenen und seither vom Publikum stets geliebten „Bettelstudenten“: Würde der junge Regisseur Guillermo Amaya – am Osnabrücker Hause wohlgelitten und bekannt seit der „Yekyll & Hyde“-Musical-Inszenierung und dem „Liebestrank“– den Spagat schaffen, das Stück frisch und flott, zugleich aber befreit von angestrengtem Knallchargen-Humor auf die Bühne zu bringen?


Oberst Ollendorf hat einen auf die Wange bekommen. Und was hier aussieht wie ein I-Phone 30, soll einen Kühlbeutel darstellen  (alle Fotos: Kerstin Schomburg, Theater Osnabrück). 

Zumindest die üppigen Kostümierungen, die die freie Bühnenbildnerin Elisabeth Benning durchaus kunstvoll geschaffen hat, sprechen zunächst nicht dafür. Wir erleben knallige Farbwelten wie in der Dick-Tracy-Comicverfilmung und Perücken wie Eiscreme-Toupets, die aus einer Tim-Burton-Groteske stammen könnten. Welche Paare sich hier am Ende bekommen, verraten die Kostümfarben gleich zu Beginn – in Gelbtönen harmoniert das romantische Liebespaar, die Farben Rot und Weiß vereinen das Buffopaar.

Recht schrill startet dann auch die Inszenierung. In einem gräulich trüben Gefängnis versammeln sich die ziemlich hysterischen Ehefrauen der Gefangenen und beginnen erstmal ein Eis zu löffeln… So beginnt diese Geschichte rund um den sächsischen Oberst Ollendorf, der sich in seiner Ehre verletzt fühlt. Zwar hat er, wie es auch der große Hit der Operette besagt, die junge Komtesse Laura Wybicki „nur auf die Schulter geküsst“, doch die hat ihm dafür brüsk ihren Fächer ins Gesicht geschlagen. Als Racheaktion holt sich der zutiefst gekränkte Soldat nun mit seiner Truppe zwei Bettelstudenten aus dem Gefängnis, um sie als balzenden Millionär und als Diener auf die junge, leider komplett verarmte Komtesse loszulassen.



Das Spiel nimmt seinen Lauf, aber alles kommt anders als geplant. Dafür sorgt auch der für eine Operette erstaunlich politische Hintergrund rund um den Sachsenkönig August den Starken, der 1704 – in diesem Jahr spielt das Stück – zugleich König von Polen war. Was hier in einer großen Intrige mündet.

Regisseur Guillermo Amaya schert sich glücklicherweise wenig um historische Genauigkeit und lässt seine Inszenierung im Zeitlosen spielen, auch widersteht er jeder Versuchung, mit erhobenem Regietheater-Zeigefinger aktuelle Zeitbezüge zu platzieren, was sich bei diesem Sujet natürlich anböte (Stichwort Sachsen). Nein, Amaya will unterhalten – nicht mehr, nicht weniger. Ein guter Ansatz. Meistens.

So trägt die sächsische Soldateska hier gewöhnungsbedürftig tuntige FantasieUniformen und weißhaarige Frauenfrisuren (eben auch die Männer) und der abgerockte Palast der verarmten Familie Wybicki könnte auch im heutigen Polen herumstehen.

Spätestens, wenn sich die Handlung in diesen Palast verlagert (inklusive einer Chaiselounge als operettentechnischer Pflichtbestandteil, von Bühnenbildnerin Margrit Flagner geschickt platziert), verlässt sich Regisseur Amaya vollends auf die stärksten Zutaten, die er hat: Eine hervorragend geschriebene Operette (Buch: Friedrich Zell und Richard Genée) – und das Ensemble des Theaters. Das dankt es ihm mit Spielfreude und starker Präsenz und gibt sogar den alten Hasen Hans Hermann Ehrich und Klaus Fischer noch mal die Gelegenheit, glänzen zu dürfen.

Mark Hamman kann als Ollendorf sein ganzes komödiantisches Talent entfalten und gibt dem verletzten Oberst eine Melange aus menschlich anrührender Tölpeligkeit und soldatischer Würde. Hauptdarsteller Daniel Wagner holt als Bettelstudent im zweiten Teil auch stimmlich auf und lässt seinen schön klaren Tenor strahlen, während Jan-Friedrich Eggers als sein Kompagnon Jan Janicki überzeugend schneidig den glühenden Vaterlandsverteidiger darstellt.



Erika Simons darf als Komtesse Laura ihre jugendliche Vitalität und ihren geschmeidigen Koloratur-Sopran in den Vordergrund stellen. Katharina Morfa, schon als Mutter der Addams-Family ein bestechendes Familienoberhaupt, gibt die Pleitemama Gräfin Palmatica mit komödiantischem Feingefühl und starker Stimme, und Susann Vent-Wunderlich als witziges und leicht verfressenes Pummelchen ist der pefekt dazu passende Sidekick. Eine Wohltat, dass sich schauspielerisches wie stimmliches Talent bei all diesen Darstellern auf das Trefflichste vereinen, davon profitiert dieser ganze Abend. In den Nebenrollen sticht vor allem der Gastschauspieler Benjamin Martin als der an Wigald Boning erinnernde Diener Onuphrie hervor, dessen emsige Dienstbeflissenheit arg auf die Probe gestellt wird.

Das Osnabrücker Sinfonieorchester gestaltet das musikalische Material unter der Leitung von Daniel Inbal zupackend, temperamentvoll und sauber, also passend feuerwerksfunkelnd so kurz vor der Silvester-Doppelaufführung. Zwei weitere Überraschungen prägen die Aufführung: Wenn die Kapelle des Ratsgymnasiums mit vollem Blechbesteck von der Seitenbühne auftritt, gibt es herrlich Radau. Und wenn Mark Hamman in feinster Jacques-Offenbach-Tradition ein kabarettistisch modern getextetes Couplet singen darf, in dem der Dramaturg Christoph Lang vom Brexit über die Pegida bis zur Populismusdebatte alles verarbeitet hat, was derzeit auch an der sächsischen Demokratiefront verteidigt wird, erreicht dieser Bettelstudent einen seiner Glanzmomente. Es folgen indes noch ein paar.

Und wer das Theater am Ende verlässt, tut dies beschwingt und bereichert und mit Feuerwerksglimmen innendrin.




Die nächsten Aufführungen:  Am 10.2., Sonntag, 15 Uhr; am 24.2., Sonntag, 15 Uhr; am 8.3., Freitag, 19.30 Uhr; am 10.3., Sonntag, 15 Uhr, am 15.3, Freitag, 19.30 Uhr, vier weitere Termine im April. -- Jeweils im Theater am Domhof. -- Infos und Karten unter Telefon 05 41/7 60 00 76.

Transparenzhinweis: Besuch der Premiere am Samstag, 8.12., durch Pressekarten, freundlicherweise vom Theater zu Rezenionszwecken für die ON zur Verfügung gestellt.

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Ebenfalls auf diesem Blog: Charlie Chaplins Leben als knallbunte Groteske - so ist das brandneue Musical "Chaplin" im Theater in Osnabrück als deutsche Erstaufführung

Ebenfalls auf diesem Blog: So ist das Schauspiel "Nathan der Weise" im Theater Osnabrück - zehn Jahre nach der Brüllorgie kehrt wieder Ruhe ein

Ebenfalls auf diesem Blog: Alle Männer sind Schweine und wollen nur Fellatio - warum mir die Inszenierung der "Manon Lescaut" im Theater Osnabrück so missfallen hat

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum ich den Besuch der "My Fair Lady" im Theater Osnabrück nach der Pause abgebrochen habe - eine kleine Beckmesserei

Ebenfalls auf diesem Blog: Und so war das Musical "Jekyll & Hyde" im Theater Osnabrück - gute Einfälle, schlechte Einfälle, unblutiger Grusel und ein bisschen zuviel Lichtgeflacker

Ebenfalls auf diesem Blog: Packender Britten, gruseliger Stoff - warum "Owen Wingrave" im Theater Osnabrück auch einen Benjamin-Britten-Zweifler überzeugen könnte

Ebenfalls auf diesem Blog: Alles etwas zu gewagt? So war der "Schwarze Obelisk" im Theater Osnabrück - als Schauspielexperiment nach Erich Maria Remarque

Ebenfalls auf diesem Blog: So ist der Schimmelreiter in der Schauspielversion des Theaters Osnabrück in der Spielzeit 2014/2015 - das Kleine ist jetzt im Großen

Ebenfalls auf diesem Blog: Theater kosten den Steuerzahler einfach zuviel Geld... ist das wirklich so? Und woher kommt die Theatersubventionierung eigentlich?

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Donnerstag, 22. November 2018

Dirigenten - warum diese Aufgabe als Orchesterleiter so perfekt geeignet wäre für Führungskräfte-Trainings - warum man sich unbedingt in 2018 den Dokumentarfilm "Dirigenten - Jede Bewegung zählt!" anschauen sollte (gut geeignet als Weihnachtsgeschenk, Tipp)

Andreas Hotz in 2008 - als die Dokumentation "Dirigenten" gedreht wurde, nahm der heutige Generalmusikdirektor bei einem der wichtigsten Wettbewerbe teil  (Alle Bilder: Mindjazz-Pictures, mit freundlicher Genehmigung).

Osnabrück - Auch dieser Film ist in der allgemeinen Wahrnehmung weitestgehend untergegangen, wie so viele andere. Klar, Dokumentarfilme - noch dazu aus dem Sektor der klassischen Musik - haben es besonders schwer. Aber zumindest in der Stadt Osnabrück - wo ich wohne - hätte dieser Film dann doch eine größere Aufmerksamkeit verdient gehabt: Immerhin ist einer der Hauptakteure darin der junge Mann, der inzwischen als Generalmusikdirektor des hiesigen Theaters am Domhof von sich reden macht, nämlich Andreas Hotz - der übrigens nicht wie mancherorts gedacht 2019 nach Kiel wechseln wird, weil dort ein anderer junger Dirigent als GMD eingestellt worden ist (Hotz hatte sich dort ebenfalls beworben). Sein wesentlich jugendlicheres Ich mit deutlicher Schulabgängernähe ist nämlich in „Dirigenten - jede Bewegung zählt!“ zu sehen, jenem Film, der merkwürdigerweise erst Januar 2016 ins Kino kam, obwohl er bereits 2008 gedreht worden ist. Also vor genau zehn Jahren. Grund genug, sich den Film noch einmal gründlich vorzunehmen, denn die zeitliche Merkwürdigkeit ist nicht das einzige, was an diesem an sich sehr sehenswerten Film irritieren kann.

Was wir hier miterleben, ist eines der wichtigsten Musikereignisse der Welt, jedenfalls, was den Nachwuchs angeht. Alle zwei Jahre findet der Internationale Georg-Solti-Dirigentenwettbewerb statt, jedes Mal bewerben sich mehr als 500 junge Taktstockprofis aus der ganzen Welt darum, hier zugelassen zu werden (oder auch welche ganz ohne Taktstock). Nur 24 schaffen es in den Wettbewerb selbst, wo sie sich dann in der gemeinsamen Zusammenarbeit mit professionellen Orchestern behaupten müssen (dem HR- Sinfonieorchester und dem Frankfurter Museums- und Opernorchester) – immer streng beäugt von einer grimmig dreinschauenden Jury, die sich aus Ex-Dirigenten und Sachverständigen zusammensetzt und auch die Zeitvorgaben überraschend rigide durchsetzt. Nur 30 Minuten Zeit dafür, mit dem Orchester warmzuwerden und den ersten Satz einer Haydn-Sinfonie zu gestalten, das ist schon eine anspruchsvolle Aufgabe. Eine von vielen, wie der Streifen eindrucksvoll zeigt. Filmemacher Götz Schauder hatte 2008 fünf der Teilnehmer begleitet - von der Ankunft auf dem Flughafen bis zum Finale in der Alten Oper in Frankfurt. Darunter auch Andreas Hotz.


Die Orchestermusiker können einem leid tun. Wieder und wieder spielen sie das gleiche Stück, aber immer mit anderen Ansagen. Mehr Legato hier, sagt der eine, mehr Akzente dort, sagt der andere, etwas mehr Schmelz wünscht sich die eine, noch mehr Zusammenspiel der andere, und so weiter und so weiter. Interessant ist daran, wie wenig Zeit zum Beschnuppern beiden Elementen bleibt. Den Dirigenten ist das Orchester nicht bekannt. Ab aufs Pult und los geht’s, heißt die Devise. Es gibt Leichteres an Führungsaufgaben. Denn wie sehr das Anleiten eines Orchesters mit dem klassischen Aufgabenspektrum einer Führungskraft vereinbar ist, war witzigerweise ein zwischen uns urlaubenden Männern vieldiskutiertes Thema am Swimmingpool auf Mallorca (fragt mich nicht, es war halt so). Es ist übrigens auch immer mal wieder Thema bei Coachings und entsprechenden Workshops (manche veranstalten Führungskräftetrainings mit Pferden, andere mit Orchestern, welche wohl die bockigeren Kandidaten sind?).


Und wie immer in Sachen Führungsaufgaben kommt es auf die Kleinigkeiten an. Alleine schon die Begrüßung der ersten Geige (vielleicht auch noch, wie Andreas Hotz es gerne tut, der zweiten Geige) - das ist eben nicht einfach nur eine kleine Geste, die irgendwie dazugehört, sondern ein in Wahrheit hochsymbolischer Akt. Denn begrüßt wird dadurch nicht einfach nur ein einzelner Orchestermusiker, begrüßt wird, symbolisch vertreten durch den ersten Geiger, der gesamte anwesende Apparat. Also: Das Orchester in Gänze. Ein fahrig hingeworfenes Flatterhändchen im Vorbeigehen hieße dementsprechend: Du, liebes gesamtes Orchester, bist mir, dem Dirigenten, eigentlich vollkommen egal. Also besser ein aufmerksames und wertschätzendes Händeschütteln, weil es ja gleich allen Musikern gilt. Wobei es andererseits auch nicht zu kuschelig zugehen sollte, wie die Dirigenten hier in dem Film betonen. Denn der Dirigent macht die Ansagen und dann gibt es nichts mehr zu diskutieren - ich kaum einer anderen Branche geht es heute noch so altbacken-hierarchiegebunden zu wie im gesamten Theaterbetrieb, was das angeht. Wieviel Zeit das Orchester einem neuen Dirigenten so gibt, bis es sich unbewusst entscheidet, ob es mit ihm nun funzt oder nicht? Höchstens eine Minute - sagt einer der Teilnehmer.


Was die Dokumentation so interessant macht, ist weniger der Wettbewerb an sich als vielmehr die Frage, welcher Mix aus Persönlichkeit und Transparenz, aus Sympathie und Sendungsbewusstsein, aus Fachwissen und Vermittlungskompetenz einen Dirigenten ausmachen muss - und wie das alles binnen weniger Sekunden seine Wirkung entfalten muss. Eindrucksvoll ist außerdem zu erleben, wie sich so ein Orchester von Null auf Hundert auf eine ganz neue Person und ihre Eigenschaften einstellen kann. Seltsam muten hingegen die Merkwürdigkeiten mancher der hier getroffenen Juryentscheidungen an. Unkommentiert und ohne Nachfragen zeigt der Film, wie hier gesiebt und aussortiert wird – und manches Mal hätte man sich als Zuschauer doch gewünscht, die Jury würde sich noch mehr erklären, warum sie einen Kandidaten bevorzugt und andere nicht. Wie es da wohl den Teilnehmern geht? Dabei war einem beispielsweise der schon rasch zu Beginn aus dem Wettbewerb ausscheidende Schotte James Lowe menschlich gesehen so sympathisch geworden mit seinem sanften Understatement. In einer bemerkenswerten Szene sieht man ihn mit seinem nur 19 Jahre alten Kollegen Aziz Shokhakimov durch Frankfurts Innenstadt spazieren und an Ampeln und Kreuzungen merkwürdig mit den Armen fuchteln… hier spielen die beiden ein Dirigentenspiel: Erkenne an meinen Armbewegungen, um welches Stück es sich handelt. Sie schaffen es beide: „Ah! Beethovens Fünfte…“… „Na klar, Sacre!!!“ - 



Übrigens sind alle Teilnehmer des Wettbewerbs, auch die alsbald aussortierten, inzwischen gestandene und viel gebuchte Dirigentenpersönlichkeiten geworden. Sogar der ganz junge Usbeke, der seinen Rauswurf aus dem Wettbewerb so gar nicht nachvollziehen mag und die daraus resultierende Kränkung weniger gut kaschieren kann. Ein wenig zu Recht, tatsächlich: Die alten Herren der Auswahljury hatten ihn erst gar nicht einladen wollen, weil sie sein Bewerbervideo mit einem entsetzten "Furchtbar! So kann man Beethoven nicht machen!" beiseite winken wollten. Aber ausgerechnet der eine Fürsprecher, der sich doch noch durchsetzt, ist es am Ende, der dem Kandidaten gerade seine Jugendlichkeit zum Vorwurf macht. Was dieser wiederum mit einem irritierten "Ja, aber warum haben sie mich denn dann eingeladen?" nicht verstehen kann. Die Musiker des Orchesters indes durchaus: Sein Durchsetzungswille hat sich doch so arg an der professionellen Erfahrung des Orchesterapparats gerieben. So nimmt alleine dieser Handlungsstrang sehr viel Raum in der Dokumentation ein (Andreas Hotz geht dagegen fast ein bisschen unter). Aber an dieser Schnurre sehen wir: Es ist halt alles ganz schön komplex in diesem Genre. So mit komplexen Persönlichkeiten hier und da sowieso. Eben auch im Orchesterbetrieb - alles allzumenschlich, um es mit Nietzsche zu sagen. Womit wir wieder beim Thema Führungsqualitäten wären... 


Transparenzhinweis: Selbstgekaufte DVD, kein zugeschicktes Rezensionsexemplar.

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Donnerstag, 8. November 2018

Was Babylon Berlin wirklich zu einer ganz besonderen Serie macht - das gekonnte Spiel mit Zeitachsen-Verschiebung und Zitate-Rückführung - und wo die 20er Jahre doch zu modern gestaltet werden


(Alle Fotos: Frédéric Batier/X-Filme/Creative Pool, mit freundlicher Genehmigung)

Osnabrück - Was das wirklich Bemerkenswerte an "Babylon Berlin" ist - also an den jetzt auch in der ARD gezeigten ersten beiden Staffeln? Für mich als Musikfan natürlich der Auftritt des echten Bryan Ferry im fiktiven Nachtclub der 20er Jahre. Da steht also dieser einst so schillernde Mastermind des Glamrocks, inzwischen zum bestangezogensten britischen Gentlemen mutiert, und singt ein kleines Chanson, das so dermaßen nach Brecht und Weill und Zarah Leander klingt als sei es originär aus dieser Phase. Aber es handelt sich um das von seiner Band Roxy Music geschriebene "Bitter Sweet" vom Album "Country Life" von 1974 ("Nein, das ist nicht das Ende der Welt...")... - das war schon immer mein Lieblings-Roxy-Song. Hier zeigt sich am eindrucksvollsten, wie virtous "Babylon Berlin" die Zeitachsen verschiebt - aus dem heutigen Zitatereigen, der sich auf die 20er Jahre bezieht, diese aber nicht alleine kopiert, baut die Serie in einer Kulisse, die die 20er sein könnten, einen ganz eigenen 20er-Jahre-Kosmos zusammen, den es so in Wahrheit nie gegeben haben kann. Und überzeugt uns alle damit: Wir wähnen uns im echten 1929. Es gibt sehr viele dieser Momente in "Babylon Berlin". Aber sie sind oft gut versteckt. Und das macht diese Krimiserie dann wirklich zum Ereignis.

Markantestes Beispiel für dieses Zitate-Rückführungs-Zeitachsenspiel ist natürlich das nichts als moderne Neo-Chanson "Zu Asche, zu Staub" - in einer Musik, die damals so noch lange nicht erfunden war, die aber in der Orchestrierung durch Big Band und Schneebesen-Rhythmus tief ins 20er-Zeitkolorit hineintaucht. Schon genial. Wie auch die dazugehörige optische Parallelmontage am Ende des Pilotfilms. Doch darauf - auf beides - sind an anderen Stellen schon so viele Lobpreisungen geschrieben worden, dass ich darauf nicht noch weiter eingehen brauche. Nur soviel: Na klar hat mich diese Szene auch dermaßen angefixt, dass ich mich erstmals seit langem wieder von einer Fernsehserie wie berauscht gefühlt habe und dass ich mich überhaupt entschlossen habe, das mich bis dahin eher langweilende "Babylon Berlin" unbedingt weitergucken zu wollen. Aber konzentrieren wir uns lieber auf die versteckteren Randszenen.


Was wir so nebenbei erfahren: Wie sich die Gesellschaft verändert


Wie zum Beispiel diese: Im Hörsaal einer Universität hält der Psychologe Dr. Anno Schmidt eine Vorlesung, in der er über das so genannte Kriegszittern spricht. Heute besser bekannt und besser behandelbar als Posttraumatische Belastungsstörung, unter der, wie wir ja schon lange vorher gesehen haben, auch Hauptfigur Gereon Rath leidet. Und die anwesenden Zuhörer, nicht alleine Studenten, sondern wohl auch gestandene Männer mit unklaren Berufszugehörigkeiten, verlachen immer offener und immer lauter den missliebigen Vortragenden. Denn der rührt da gerade an einem gesellschaftlichen Problem: Die Kriegsheimkehrer, die mit den belastenden Erlebnissen nicht zurechtkommen, werden zuhause doch lieber als Weicheier und Drückeberger verlacht. Was ihnen natürlich nicht gerecht wird und ihr Leiden zusätzlich vergrößert, wie wir heute wissen. Was sich hier zeigt, ist etwas Eindrucksvolles: Wie sich das Männerbild allgemein durch den Ersten Weltkrieg verändert hat. Das ist tatsächlich bemerkenswert gut recherchiert und fügte sich passgenau ein eine parallel stattfindenden Recherche meinerseits.


Denn über Männerseelen und allgemeine Männerfragen sowie über das sich immer wieder verändernde Männerbild in der Gesellschaft habe ich in jüngster Vergangenheit viele Informationen gesammelt - aus einem ganz anderen Grund. Umso überraschter war ich dann, gerade in "Babylon Berlin" ebenfalls auf dieses Thema zu stoßen. Was die Serie an dieser Stelle macht, zeichnet eine weitere Besonderheit aus - für deutsche TV-Verhältnisse beinahe revolutionär: Sie zeigt auf, wie gut vorbereitet im Jahre 1929 der gesellschaftliche Nährboden für die kommende NS-Zeit bereits gewesen ist, aber ohne dabei allzu plakativ vorzugehen. Keine Braunhemden, keine Kneipendiskussionen über die Juden oder ähnliches, wie es sonst so üblicherweise in deutschen Filmproduktionen mit Zeitkolorit zu erleben ist, sondern viel, viel subtiler. In Folge 10 beispielsweise sieht man Plakate hängen, die vermutlich von der NSDAP stammen. Wir sehen aber alleine nur das ..."sche Arbeiterpartei", der Rest verschwindet hinter dem Rücken eines Darsteller. Wir erleben das alles also als kleine Puzzleteile in einem heute bekannten Großen Ganzen, halt so, wie die Menschen selbst es damals erlebt haben dürften. Die ja auch noch nicht wussten, was da noch alles auf sie zukommt. Und tatsächlich hat sich das erwartete und akzeptierte Männerbild mit dem ersten Weltkrieg noch einmal extrem verhärtet.


Waren vorher noch Zwischenstufen möglich, waren nebem dem immer vorhandenen kriegstreibenden "harten Mann" auch empfindsamere Zwischenstufen möglich, zumindest in Kunst, Musik und Literatur, so war das mit dem Ende des Ersten Weltkriegs vorbei. Andererseits zeigt "Babylon Berlin" in der oben erwähnten Hörsaalszene eine 20er-Jahre-Version, wie es sie höchstwahrscheinlich nie gegeben hat: Denn dass der Psychologe seinen Vortrag durch allerlei rasch geschnittene korrespondierende Schwarzweiß-Filmsequenzen unterstützt, die von einem handgetriebenen Filmprojektor auf die Leinwand geworfen werden, dürfte mehr unseren heutigen Powerpoint-Projektions-Gewohnheiten entsprechen als dem damals technisch möglichen und machbaren. Aber das ist eben das Geschickte an "Babylon Berlin"...: 


Wie sehr uns die Serienmacher Tom Twyker, Achim von Borries und Henk Handloegten ein 1929 schmackhaft machen, in das bei aller historischen Recherche sehr viel Heutiges hineingearbeitet ist. Manchmal kann dieses Zeitachsenspiel nahezu beängstigende Züge annehmen. Da schmuggeln die Russen also Waffen nach Deutschland, um eine noch im Untergrund arbeitende aber eindeutig aus dem militärischen Apparat gespeiste antidemokratische deutsche Gegenbewegung unterstützen... Da sorgen also gerade die Russen für weitere Unruhe und Propaganda in der ohnehin schon fragilen und angeschlagenen Demokratie der Weimarer Republik. Und im Polizeiapparat selbst sitzen einige Anhänger und Unterstützer dieser Bewegung.... und da soll man dann nicht denken: Auweia, alles irgendwie wie heute? Wie diese Geschichte damals weitergegangen ist, wissen wir ja inzwischen. Babylon Berlin mag 1929 spielen, ist aber so aktuell wie nur was. Wie gut, dass die Serienmacher ab und zu ein paar mit ein paar aufhellenden Akzenten Überraschungen setzen. Wenn dann plötzlich in einer Traumsequenz Hannah Herzsprung und Volker Bruch wie im La-La-Land als Musical-Liebespaar durch die sonnendurchstrichene Wohnung tanzen, ist das Kontrast und Irritation und Augenzwinkern zugleich. Und wiederum ein Verschieben der Zitate-Zeitachsen. 

Transparenzhinweis: Serie angesehen über die ARD-Mediathek. 

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Freitag, 2. November 2018

So war das Konzert von "Fish" im Osnabrücker Rosenhof am 31.10.2018 - plus: hochspannender Dokumentarfilm über die harte Welt der bezahlten Profimusiker auf Netflix - und Babsys Polit-Pathos - Kultur-Notizen aus dem Oktober 2018 #MonatsNotizen

Osnabrück - Von Billy Joel habe ich bislang viel gehalten. Aber die aktuell auch auf Netflix laufende Dokumentation über Profimusiker lässt ihn nun nicht gerade in einem besonders guten Licht dastehen. Anders als beispielsweise Alice Cooper. Wobei die großen Stars in dieser Dokumentation einmal nicht die Hauptrolle spielen. Sondern die so genannten Hired Guns, also die je nach Auftrag bezahlten und immer wieder frisch gebuchten Vertragsmusiker. Spannend. Ebenfalls interessant war der Auftritt von Fish im Rosenhof, direkt am Ende des Monats...  Und so dies und das. Hier also meine Kulturnotizen aus dem Monat Oktober 2018.

Am Anfang erschreckst Du Dich ein wenig - die Töne kommen einem irgendwie bekannt vor und irgendwie auch nicht. Klar, das ist "Slàinthe Math" aus dem Album "Clutching At Straws" von Marillion. Aber irgendwie ist es das auch nicht. Denn es klingt so anders. Kein Wunder: Sänger Fish, um dessen Auftritt im Osnabrücker Rosenhof am 31. 10. es hier geht, mag als Ex-Frontmann der 80er-Marillions mit einer extremwandlungsfähigen Stimme gesegnet gewesen sein, hat sich aber auch selten geschont, Rampensau, die er ist. Und das hat der Stimme nicht gut getan. Als ich ihn 2011 interviewte, war die zweite OP gerade durch. Und so ist es bei diesem Konzert dann auch weniger das altvertraute und vom rappelvollen - fast ausverkauften - Rosenhof stets gefeierte Marillion-Material, mit dem Fish am meisten überzeugt - sondern sein ganz neues, vom kommenden Doppelalbum-Projekt mit dem im Englischen ebenfalls als Wort bekannten "Weltschmerz" kommendes Material. Denn Fish hatte hier am 31.10. 2018 in den "Rosenhof" genau dieses Programm mitgebracht: Vier Songs aus "Weltschmerz" und fast das komplette Meisterwerk "Clutching At Straws" als Live-Erlebnis. Und, okay, er hat's noch drauf, also jedenfalls in mancherlei Hinsicht...:

Aktuelle neue Scheibe von Fish: "A Parley With Angels" ersetzt das zur titelgebenden Tour noch nicht fertiggestellte Weltschmerz-Projekt.... 

Nicht alleine an der Stelle, wo er das Publikum ein paar Sekunden lang zum Walzertakt tanzen lässt, zeigt sich sein unverändert großes charismatisches Entertainer-Potenzial (weil es dort so gut funktionierte, heißt es seither „The Trondheim Walz“). Auch beim rhythmisch und stimmlich betörenden "Man With A Stick", bei dem Fish mit dem im Songtext benannten Gehstock herumhantiert, zeigt sich seine Rampensauqualität. Den Stock braucht er wie einen ebenfalls angeschleppten Barhocker zum Glück mehr so als Deko, obwohl er sich in seinen größtenteils auf Deutsch gesprochenen Zwischenmoderationen über seine "Scheiß Knie" und seinen "Scheiß Rücken" beklagt. Das ist ja auch so typisch Fish: In dem, was er so sagt, bleibt er der schottische Totalprolet, inklusive fuckin' fuck etc.in möglichst jedem Satz, aber in seinen Songtexten ist er der mit wenigen lyrischen Farben große Stimmungen erzeugende Wortkünstler. Die Damen direkt hinter mir machen keinen Hehl draus, dass sie den Ex-Marillion-Frontmann am liebsten direkt mit nach Hause würden, so wird es für alle hörbar kolportiert. Apropos Marillion


Überraschung des Abends: Eine alte B-Seite als neuer Diamant


Das fast in Gänze gebrachte „Clutching At Straw“-Material ist inzwischen so tief auf niedrige Tonlagen und Tempi runtertransponiert, dass es fast bedenklich ist, weil es so anders klingt - manchmal fast ein bisschen lahm… Das von mir und vielen anderen Marillion-Fans heißgeliebte „Sugar Mice“ schön laut mitsingen geht so jedenfalls gar nicht, auch wenn Fishs neue Interpretation dieses Klassikers so ihre eigenen Reize hat. Was die Stimme nicht mehr kann, macht er durch Technik und Ausstrahlung wieder wett. Überraschung des Abends: Das ursprünglich nur als B-Seite auf einer Single veröffentliche "Tux On", ein ziemlich starker Song, der sich übrigens nahtlos anfügen kann an Fishs aktuelles Material. Klasse. So bleibt am Ende ein zwiespältiger Eindruck: Einerseits Dankbarkeit, einen nach wie vor eindrucksvollen Künstler erlebt haben zu können, andererseits der leise Zweifel, ob sich dieser mit den alten Sachen noch einen Gefallen tut. Aber, klar, wer zu einem Fish-Konzert geht, will halt schon auch 80er-Zeugs hören.

Astralreines Schottisch: Fish muss man verstehen lernen  (Subsounds-Promo-Foto)-

Sowieso sieht man einen solchen Konzertabend mit anderen Augen, wenn man sich auf Netflix den Dokumentarfilm "Hired Gun" angesehen hat, der 2016 auch im Kino lief. Der Film zeigt das harte Leben der Session-Musiker, also der so genannten Hired Guns. Das sind alles hochkarätige Musiker, deren Schicksal es indes ist, nur von Auftrag zu Auftrag bezahlt und angestellt zu werden. Wenn dann also ein Billy Joel oder ein Alice Cooper ein neues Album aufnimmt oder auf Tour zu gehen gedenkt, werden diese Musiker gerne dafür angestellt. Aber ist das Engagement vorbei, endet auch alles andere. Die Bezahlung, vor allem. So erzählt der Film auch die Geschichte jenes Musikers - Name vergessen, sorry -, der als Interims-"Paid Job" das Haus von Guns'N'Roses-Gitarrist Izzy Stradlin angestrichen hatte. Also als Maler, mit Farbe und so. Stradlin sah ihn und erinnerte sich... Hey, haben wir uns nicht schon mal irgendwo gesehen? Ja, hatten die beiden. Der vermeintliche Maler war als angestellter Musiker einer anderen Band auf einem Gig, wo die Roses-Jungs ebenfalls waren. Vor allem Billy Joel kommt, wie gesagt, in dieser Doku nicht gut weg.


Ist der Job erstmal weg, fallen manche Musiker ins Loch


"Herzlos" ist das Wort, das an einer Stelle fällt. Joels alter Drummer, Liberty De Vitto, erzählt von all den alten Alben, auf denen er zu hören ist (bis zu "The Bridge"), von den Tourneen - und wie er dann, plötzlich in Ungnade gefallen, von einem Moment auf den anderen keinen Job mehr hatte. Und auch zur neuerlichen Hochzeit Joels nicht eingeladen wurde. Manche dieser Berufsmusiker fallen sehr tief, nehmen die Nichtanstellung persönlich, können die sich durch diese Machtlosigkeit auftuenden Kränkungsprozesse innerlich nicht aufhalten. Was fatale Folgen haben kann. So folgt auch "Hired Gun" als Film einem klassischen Drei-Akte-Schema - und dokumentiert im Mittelteil auch das Leid und die Unsicherheiten, die dieses verrückte Berufsmusikerleben mit sich bringen können. De Vitto beispielsweise unterrichtet jetzt Kinder an einer Highschool. Musikalisch gesehen ist er für einen solchen Job eigentlich viel zu gut... Unfassbar gut sind dann die immer mal wieder eingestreuten und für den Film arrangierten Jam-Sessions: Was die alle drauf haben, ist künstlerisch bahnbrechend. Für mich als Kind der 80er besonders interessant: Wie Ray Parker Junior - ebenfalls einer der Hired Guns - von dem unerwartet gigantischen Erfolg seines wohl bekanntesten Songs berichtet... "Who U Gonna Call: Ghostbusters!".



Und last but not least: Das neue Album "Walls" von Barbra Streisand, das ich für die Osnabrücker Nachrichten besprochen habe, ist ein von Molltönen durchsetztes Anti-Trump-Protestwerk, das - natürlich, babsy-like wie immer - in Pathos und Überproduktion badet, das aber mit dem Disco-Radio-Song "Don't Lie To Me" einen der vielleicht nötigsten und wichtigsten Songs des Jahres enthält. Dieser anfangs wie der Rest des Albums mehr so in mollfarbene Trauergewänder gehüllte Song wird alsbald zu einer ohrwurmträchtigen Stampfrhythmus-Pathos-Hymne. Die Dame ist jetzt 76 Jahre alt und klingt, wenn sie richtig angepisst ist, dennoch eher melancholisch bis traurig.... Und angepisst ist sie, daraus macht sie keinen Hehl.

Transparenzhinweise: Beim Fish-Konzert stand ich freundlicherweise auf der Gästeliste, "Hired Gun" über das reguläre Netflix-Abo gesehen, die Barbra-Streisand-CD ist mir zur Besprechung als Rezensionsexemplar zu den Osnabrücker Nachrichten geschickt worden.

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