Sonntag, 30. März 2014

„Relations in the unseen“ von „The Intersphere“ – Mannheimer Alternative-Quartett legt seine vierte Platte vor



Osnabrück - Normalerweise ist das bei Rockmusik ja so: Sind die Kritiker einhellig der Meinung, dass man es mit einer tollen Gruppe und einer hervorragenden Platte zu tun habe, macht das stutzig. Dann handelt es sich vermutlich um verkopftes Gefrickel oder extremes Zitatezusammenballen. So dass sich die Rezensenten in ihrem Auskennertum sonnen können und die Hörer denken: Ah, ja – für diese Platte braucht es Zeit… Auweia.

Wenn alle loben, macht das stutzig – oder?


Nicht so bei „The Intersphere“ aus Mannheim. Diese vier Jungs (Abgänger der dortigen Pop-Akademie – Yessir, Pop!) konnten sich nach ihren ersten drei Alben mittlerweile die Kritikerlieblings- und Geheimtipps-Patina abstreifen, landete ihr hier besprochenes neues  Album doch immerhin schon auf Platz 26 der Longplay-Charts, wie Wikipedia behauptet. Und doch gibt es nach wie vor keinen Rezensenten, der nicht voll des Lobs wäre. Verdächtig? Mitnichten!

Erst wird’s hypnotisch, dann fast poppig


Platte rein. Zuhören. Am Anfang erstmal hammerschnelle und beinahe mars-voltaeske Gitarrenriffs… hmm… - aber dann, dieser getragene Refrain zu Beginn der Platte, saftig unterbrettert, das hat doch was. Drei Songs später hat das Album einen in Beschlag genommen. „The one we never knew“ überrascht mit getupftem Piano und Stadionqualität im Refrain. Auf eine epische Hypnosehymne mit breiten Keyboardteppichen („Out Of Phrase“ – genial) folgt ein munter plätscherndes Wohlfühlstückchen, das fröhlich und poppig wohlgefallend daherkommt („Panic Waves“). Überhaupt, Wohlgefallen, das ist hier durchaus kein Fremdwort. Gottseidank.

Man nehme Muse und Nada Surf und entferne….


Das Genre ist klar: Das hier ist Alternative Rock. Typisch die irgendwie verwaschen abgemischten und breiig überdrehten Gittaren. Oder die sich im Hintergrund dezent andienenen Keyboardschleifen. Die Betonung des Gesangs und der Lyrics. Typisch auch die Mixtur aus memorablen Refrains und satten Riffbrettern. Und eine Scheu vor Größe in allem gibt es auch nicht. Wie ein Mix aus „Muse“ und „Nada Surf“, wenn auch ohne die theatrale Überdrehtheit der einen oder die allzu unbekümmerten Surfer-Party-Launen der anderen  – so ungefähr ist der Sound der Band.

Schon zwei Mal verpasst – und, ja, das ist ärgerlich


Was die vier Mannheimer können, sind starke Melodien, gute Arrangements und handwerkliche Perfektion in angenehmer Unaufdringlichkeit. Das muss man ihnen lassen. Wenn man dann noch liest, dass die Songs allesamt wie auf einem Livekonzert eingespielt und nur sehr zurückhaltend, wenn überhaupt, nachbearbeitet wurden, ist der Ärger umso größer, dass man diese tolle Band schon ganze zwei Mal hätte hier vor der Osnabrücker Haustür sehen können und beide Konzerte verpasst hat (beim nächsten Mal vielleicht schon „Rosenhof“ statt „Kleiner Freiheit“ - na?).

Es sind die Feinheiten, die überraschen


Von manchen Platten aus dem Alternative-Sektor ist man nach anfänglicher Neugier ja schnell gelangweilt. Zu stereotyp, zu unbeweglich verharrend in festen Schemata, zu gleichtönig verwaschen. So ganz freimachen kann sich „Relations In The Unseen“ davon auch nicht immer. Ganz am Ende versickert das Album mit „Golden Mean“ im Unentschlossenen. Und doch hat es zwischendurch immer wieder Feinheiten gegeben, die einen aufhorchen ließen. Wie sich in „The Ghost Of A Chance“ die Riffstrukturen immer wieder verwandeln, das ist so nah am Progressive Rock, wie es in unter vier Minuten nur geht. Überraschend auch der reduzierte Refrain, auf den eine hymnische Chorbrücke folgt – und schließlich ein Riffgewitter, dass es im Nacken schmerzt. Hut ab, vielleicht das beste Stück der Platte.

Jetzt darf es auch mal eine Phrase sein



Am Ende dürfen wir ausnahmesweise auch mal die Phrasendreschmaschine bedienen – denn was uns die vielen Rezensenten mit ihren Texten eigentlich gesagt haben, ist dieses: "Das gewisse Etwas" - das haben die Mannheimer. Kurzum: „The Intersphere“ bleiben interessant. Und sollten bald mal wieder nach Osnabrück kommen. Dann wird’s auch was mit dem Konzertbesuch. Ganz bestimmt. Ist versprochen. Ehrlich. 

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