Sonntag, 22. Februar 2015

20 Erkenntnisse, gewonnen auf einem Dire-Straits-Tribute-Konzert mit den dIRE sTRATS im Osnabrücker Rosenhof (nächster Auftritt dort: 19. 2. 2016)



Die "dIRE sTRATS" - hier auf einem Konzert in Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen  (es fehlt: der existenziell wichtige und in Osnabrück anwesende Saxophonist... / Foto aus der Bildergalerie unter http://www.direstrats.de, mit freundlicher Genehmigung der Band).

Osnabrück - „Da bin ich aber mal gespannt, wie Du als Profi ,meine‘ dIRE sTRATS finden wirst“ – so hatte es mein guter alter und kürzlich wiederentdeckter Kumpel in seiner E-Mail. Denn auf diese Dire-Straits-Tribute-Band lässt er nichts kommen. Ja, er macht anhand dieser aus Bremerhaven stammenden Band sogar den Unterschied zwischen einer Coverband (= als reine Kopie) und einer Tribute-Band (= mit eigener Interpretation) fest. Am 19. 2. 2016 wird die Tribute-Truppe wieder auf der Bühne des Rosenhof in Osnabrück stehen....

Schon an Silvester kam die Lust auf die Dire Straits zurück


Wenigstens schon vier Mal hatte mein Kumpel die Band auf Konzerten erlebt, vermutlich öfter. Jetzt war es ihm ein Anliegen, auch mich mal dorthin mitzunehmen. Derart geschmeichelt und gebauchpinselt bin ich umso lieber mitgekommen in den Osnabrücker Rosenhof zum Konzert der dIRE sTRATs (fand im Februar 2015 dort statt). Das Silvesterprogramm auf 3Sat hatte mit einem alten Dire-Straits-Konzert noch einmal Lust gemacht auf eine Wiederbegegnung mit dieser einst sehr geschätzten Band, außerdem können sich die Konzerte, zu denen man als Mitgeschleppter hingeht, als echte Zünder erweisen. Und siehe da, auf dem Nachhauseweg war ich um die folgenden 20 Erkenntnisse reicher – und wenn so etwas geschieht, kann es nur ein guter Abend gewesen sein:

20 Erkenntnisse am Ende eines dIRE-sTRATS-Konzerts in Osnabrück:


1.) Dass eine Dire-Straits-Tribute-Band mehr Karten verkaufen kann als die doch noch etwas professionelleren „Magnum“ aus England mit all ihren herrlich schrulligen Hardcore-Fans – der Rosenhof war diesmal rappelvoll.

2.) Dass die Dire Straits vor allem Zuhörmusik gemacht haben, mit ihrem ganz unnachahmlichen Mix aus Folk, Rock, Blues und Progressive-Rock-Elementen - wie sehr, das war mir nicht mehr bewusst.  

3.) Dass das Osnabrücker Publikum kein gutes Zuhörpublikum ist, sondern eher ein bierlauniges, plauderwilliges „Die-Musik-als-Nebenbei-Werk-mitnehmen-Publikum“, was schade ist, weil es der Band und ihrem Können nicht gerecht wird und der Musik auch nicht (da sagt die Dame hinter mir zu ihrem Mann einmal: „Ach, das ist mir jetzt auch zu langsam“, dann reden die beiden über eine Vereinssitzung am Donnerstag – und das mitten in „Private Investigations“... grrrrrr...).

4.) Dass auch eine Tribute-Band sich trauen könnte, ihre Lautstärke im Laufe des Konzerts noch mehr und mehr aufzudrehen, wie es jede Rockband macht – so dass in den leiseren Musikpassagen das Dauergelaber des Publikums nicht gleichlaut mit der Musik sein muss (sehr eindrucksvoll ist das auch in einem bereits hochgeladenen Youtube-Video des Konzerts zu hören). 

5.) Dass im 14-Minüter „Telegraph Road“ vor allem Countryelemente vorherrschend sind – wie sehr, war mir nicht mehr bewusst.

6.) Dass „Heavy Fuel“ mit seinem treibend-dunklen Groove ein echter Antreiber ist, der auch an diesem Konzertabend prächtig funktioniert.

7.) Dass der Mittelteil in „Private Investigations“ erstaunlicherweise stark nach Pink Floyd klingt, vor allem in der Interpretation der dIRE sTRATS.

8.) Dass mein Kumpel also recht hat, wenn er bei dieser Kapelle von einer Tribute-Band spricht und nicht von einer reinen Cover-Band.

9.) Dass die Dire Straits eben doch keine Radioband mit flotten Dreiminütern sind, sondern vor allem durch epische Longtracks bestechen, die ihre Wirkung nicht verloren haben.

10.) Dass das Riff in „Money For Nothing“ immer noch Weltklasse ist. Aber sowas von. 


Auch auf der Osnabrücker Maiwoche ist die Band regelmäßig zu Gast - dort entstand auch dieses Foto.   (Foto aus der Bildergalerie unter http://www.direstrats.de, mit freundlicher Genehmigung der Band). 

11.) Dass „Money For Nothing“ auch komplett ohne das in hohen Tönen gesungene „I want my MTV“ funktioniert. Auch wenn man es in Gedanken immer hört. 

12.) Dass ich nach all den Jahren noch immer textsicher die Zeilen „Maybe get a blister on your little finger, maybe get a blister on your thumb“ mitsingen kann und mir dabei klar wird, dass ich über 20 Jahre nicht verstanden habe, was so ein Blister eigentlich sein soll (ja, eine Blase, inzwischen weiß ich das).  

13.) Dass ich nicht der Einzige bin, der einmal alle Alben der Band besessen hatte (also der Original-Band), diese dann aber in irgendeiner Aufräum-Ausmist-Aktion aus dem Schrank geräumt hat.

14.) Dass Mark Knopfler zwar nicht wirklich toll singen kann, dass das aber nicht bedeuten muss, dass die Tribute-Bands es viel besser machten.

15.) Dass sich das Konzert auf jeden Fall lohnt und alle Musiker hier hervorragende Leistungen abliefern.

16.) Dass es Paare gibt, die zum Discofox-Tanzen zu einem Dire-Straits-Tribute-Konzert gehen, und dabei wenig Rücksicht auf vorbeigehende Bierkäufer mit vollen Krügen nehmen.

17.) Dass es immer einen Song gibt, den man nicht mehr auf der Pfanne hatte – und der dann zum überraschenden Konzertknüller wird und nicht mehr aus den Ohren geht (in meinem Fall: „Private Investigations“).

18.) Dass es noch Bands gibt, die mitten in ihrem Konzert 20 Minuten Pause machen – schon seit Ewigkeiten nicht mehr erlebt. Blöderweise hat das zur Folge, dass man fast den letzten Bus und auf jeden Fall den letzten Song verpasst hat. 

19.) Dass ich als fast 40-jähriger Ex-„Dire-Straits“-Freund mit zu den jüngsten Konzertgästen des ganzen Abends gehöre (da war selbst bei „Magnum“ mehr Jungvolk vertreten).

20.) Dass wir es bei den dIRE sTRATs mit einer Band zu tun haben, die aus talentierten Musikern besteht, dass aber die größten Rampensauqualitäten erstaunlicherweise der in seinem Plastikhäuschen sitzende Drummer Jens Gernhoff hat, wenn er in Shorts und ohne Schuhe auf die Bühne tritt – was er, wie ich mir habe sagen lassen, ständig tut.

Und schließlich, doch noch eine Nummer 21: Dass ich das Live-Erlebnis genossen habe, mich an den alten Alben der Band aber dennoch sattgehört glaube. Abgesehen vielleicht von der „On Every Street“… aber auch die bleibt verschollen.

Übrigens: Am 19. 2. 2016 stehen die dIRE sTRATS wieder auf der dortigen Bühne (Infos unter Tel. 0541/961460).

Die Herren an den Saiten: Peter Spencer (Gesang und Rhythmusgitarre), Wolfgang Uhlig (Sologitarre) und Thomas Fiebig (Bass).   (Foto aus der Bildergalerie unter http://www.direstrats.de, mit freundlicher Genehmigung der Band).

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