Samstag, 14. März 2015

Neue Linktipps & Netzfunde im März 2015 – ein paar Perlen, die mir im weltweiten Web begegnet sind: Köstlich süddeutsches Gebrabbel, entspannte Klangkulissen und ein mysteriöses Knall-Rätsel


Osnabrück - Beruflich viel im Internet unterwegs, privat viel im Internet unterwegs. Was sich dabei alles finden lässt, ist zum größten Teil überflüssig. Bis auf diese kostenlosen und seltenen Perlen, die jedem Nutzer hiermit zum Angucken empfohlen seien:


Die entspannende Klangkulisse eines sommerlichen Waldes zum Selbst-Zusammenstellen, das und mehr bietet die Website noisli.com.    (Foto: pixabay.com/Public Domain)

Geräuschkulissen zum Entspannen – per Mausklick

     
Es gab mal eine Zeit, da musste sich der geneigte Konsument alles, was einen an Klang irgendwie interessierte, auf einem Tonträger kaufen oder darauf warten, dass es im Radio übertragen wurde. Was leider niemals im Radio übertragen wurde, auch wenn es eine  Menge Einschaltquoten gehabt hätte: Entspannende Klänge in einer Dauerschleife. Also so etwas wie Meeresrauschen, das herrlich monotone Rumpeln und Rattern aus dem Inneren eines Zuges, das Geräusch von Vogelgezwitscher und zartem Wind in einem sommerlich kühlen Wald. 

All das und mehr bietet die großartige und kostenlose Website www.noisli.com jetzt per simplem Mausklick an. Und das Allerbeste daran: Die Geräusche lassen sich nach Belieben zusammenmischen. Regen an, Regen aus, das Vogelegzwitscher bleibt, vielleicht ein kleines Gewitter dazu? Das alles entspannt ungemein, sogar beim Arbeiten. Und das alles sogar kostenlos. Wie hier wohl das Geschäftsmodell funktioniert? 

Netzfund Nr. 1 - Geräusche auf Mausklick: http://www.noisli.com/


Eine typische Schwarzwald-Szenerie - ob der Feldsalat hier wohl "Ritscherli" heißt oder "Nüsslisalat"? Auskunft gibt eine clever gemachte Website mit Tonbeispielen.   (Foto: pixabay.com/Public Domain)

Süddeutsche Dialekte, Satz für Satz zum Anhören – köstlich!


Da unten im Schwarzwald, rund um Freiburg und von dort aus bis ans äußerste Ende der Republik – da sprechen die Menschen nicht etwa Schwäbisch, sondern Alemannisch. Eine bemerkenswerte Sprache, auch wenn ich mich zugegebenermaßen erst damit beschäftige, seit ich mit meiner Frau – aus Lörrach stammend – öfter mal dort unten zu Gast bin. Klar, seither muss ich gerüstet sein. In einer Region, in der der Feldsalat „Nüssle“ heißt und die Kartoffeln noch zärtlich als „Erdäpfele“ bezeichnet werden, muss man sich durchschlagen können ("Du hasch d'Erdäpfeli nit g'salze, sie sinn gans schlei"). 

Ungemein hilfreich ist der Dialekte-Trainer zum Anhören, den die alemannische „Muttersproch-Gsellschaft“ auf ihrer Website anbietet. Denn Alemannisch ist nicht gleich Alemannisch, wie die vielen O-Töne zeigen. Das Handling ist einfach: Mit der Maus einfach auf eine Region draufgehen, einen Satz auswählen, klicken, schon wird der vorgelesen. So, wie er in der gewählten Region eben gesprochen wird. Mein Favorit: Ich gehe Äpfel pflücken. Das variiert von „Ih gäh Äbbe oabmoche“ bis zu „Ih ganga go Äbbe pflügge“. Köstlich - únd kostenlos!

Netzfund Nr. 2 - der alemannische Dialekte-Trainer: www.alemannisch.de/de/sprache/


Ralf Heimann hat seinen Job bei einer Zeitung an den Nagel gehängt - unter "Operation Harakiri" erforscht er jetzt auf eigene Faust seltsame Phänomene aus ganz Deutschland.   (Achenbach-Foto)

Mysteriös: Der merkwürdige Knall, der ganz Deutschland erschüttert


Die große Krise des Journalismus hat auch ihre guten Seiten: Mehr und mehr Redakteure, die ihren Job aus Frust entweder selbst geschmissen haben oder von ihrer Stammredaktion gekündigt worden sind, machen sich mit hochinteressanten Blogs im Internet bemerkbar. Ganz abgesehen von der hohen Sprachqualität und Recherchequaliät zeichnen sich diese Blogs dadurch aus, dass sie als ideale Ergänzung zu den bestehenden Medien oft andere Dinge zu bieten haben. Ungewöhnliche Themen, tiefergehende Hintergründe, bissig-brillante Formulierungen, die jeder Print-Textchef wegen ihrer Schärfe wieder rausgestrichen hätte.

Der Münsteraner Redakteur Ralf Heimann hat seinen Job bei der Münsterschen Zeitung von sich aus an den Nagel gehängt – kurz, bevor das Blatt dichtgemacht wurde und jetzt als Geisterzeitung ohne eigene Redaktion mit den Inhalten des Konkurrenten weitergeführt wird. Anders gesagt: Heimann hat das gemacht, wovon so viele in so vielen Branchen und Jobs insgeheim träumen – ohne jeden Plan, wie es weitergehen soll, einfach die Brocken hinschmeißen. Und erstmal einen Blog aufmachen. Der passenderweise den Namen „Operation Harakiri“ trägt.

Seine Feldstudien über die deutsche Zeitungsbranche sind alleine schon den Besuch wert, aber mit seinem neuen Thema hat Heimann einen journalistischen Volltreffer gelandet: Es geht um ein merkwürdiges Knallphänomen, das ganz Deutschland erschüttert. In welchem Ausmaß, ist erschreckend - und bislang nur hier dokumentiert.

Denn was Heimann jetzt macht, ist so simpel wie genial: Er sammelt. Während jede Regionalzeitung bisher immer nur die Ereignisse vor ihrer eigenen Haustür dokumentiert hat, hat Heimann all diese Artikel zu einem ganzen Stück zusammengetragen und damit das große Bild erzeugt. Und das ist – irgendwie erschreckend. Und mysteriös.

Netzfund Nr. 3 – das unlösbare Knallphänomen, das ganz Deutschland erschüttert: http://www.operation-harakiri.de/?p=566


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