Montag, 18. Mai 2015

Perry Rhodan hatte gerufen und alle kamen – Impressionen vom ersten "Perry-Rhodan-Fantag" 2015 im Haus der Jugend in Osnabrück – für 2017 ist schon eine zweitägige Neuauflage des Cons geplant


Ein großes Banner wies den Weg zu den Sternen - bzw. zum Haus der Jugend. Perry-Rhodan-Autorin Michelle Stern freute sich über die Resonanz auf den Con.  (Thomas-Achenbach-Foto)


Osnabrück  –  Perry Rhodan hatte gerufen und alle waren sie gekommen. Michelle Stern, zum Beispiel, die als Autorin der Science-Fiction-Serie (erscheint als wöchentlicher Heftroman bereits seit 53 Jahren) kürzlich den Jubiläumsband 2800 beisteuerte. Oder Wim Vandemaan, der als einer der so genannten Expokraten für die Rahmenhandlung der Serie verantwortlich ist. Auch der ehemalige „LKS-Onkel“ Arndt Ellmer, der lange die Leserkontaktseite (LKS) betreute und zugleich der dienstälteste Autor im Perry-Rhodan-Team ist, war mit von der Partie. Und nicht zuletzt der Maler und Werbegrafiker Al Kelsner, der für über 600 Romane das Titelbild geschaffen hatte. Eine Ausstellung im Obergeschoss zeigte eine Auswahl seiner Werke. Kelsner war auch einer der wenigen Perry-Rhodan-Beteiligten, die eine kurze Anreise hatten – er stammt aus Bünde. Arndt Ellmer und Michelle Stern hatten da wesentlich länger zu fahren, wohnen sie doch weit über den Weißwurstäquator hinaus im fernen Süddeutschland.

Für Perry-Fans war Norddeutschland bislang Diaspora


Apropos fern: Eines der Ziele des Perry-Rhodan-Fantages war es auch, die Con-Lücke in Norddeutschland zu schließen, wie die Verantwortlichen berichteten. Denn was Sci-Fi-Cons angeht, ist der hohe Norden eine Diaspora. Zwar hatte es bis 2009 einen Con in Hamburg gegeben, der sich explizit mit dem Thema Perry Rhodan auseinandergesetzt hatte (die „Zellaktivator-Tage“) – aber die zurzeit aktivere Fan-Szene scheint es wohl in Süddeutschland zu geben. Mannheim, Garching, vielleicht noch Dortmund, dann ist Schluss. Das Konzept ging auf…

Brennende Raumschiffe, visionär in die Ferne guckende Weltraumfahrer, fremde Planetenwelten - all das gehört zur Welt des Perry Rhodans...  (Thomas-Achenbach-Foto)


Perry Rhodan kehrt zurück nach Osnabrück – 2017 sogar zweitägig


Schon am Nachmittag dieses ersten Fan-Tags in Osnabrück zogen die Verantwortlichen von der Perry-Rhodan-Fanzentrale (PRFZ) eine positive Bilanz – und kündigten eine verlängerte Neuauflage des Cons für das Jahr 2017 an. „Wir hatten mit rund 60 Teilnehmern gerechnet, aber bis jetzt sind es fast doppelt so viel“, sagte André Boyens als Schriftführer der PRFZ etwa nach der ersten Halbzeit des Cons. Der am weitesten entfernt wohnende Teilnehmer war sogar aus Graz in Österreich angereist. André Boyens selbst (seit 25 Jahren Fan der Serie, erstes Heft war die 1603, Lieblingszyklus sind die „Meister der Insel“) war am Nachmittag frisch in seinem Amt bestätigt worden – die PRFZ hatte den Tag auch für die internen Regularien genutzt. Ansonsten bot das Programm einen reichen Querschnitt durch alle Themen: Fanclubs und nebenberufliche Autoren stellten sich vor und boten ihre Waren an. Auf dem Podium ging es um die Perry-Rhodan-NEO-Serie, es gab ein Hörspiel zum Mitmachen, auch eine Diskussion über die Zukunft des Fandoms stand auf dem Programm. Und das Gipfeltreffen der LKS-Macher.

Vom Sie zum Du –  LKS-Onkel und LKS-Tante über den Wandel der Sitten


„Eine wirklich schicke und schnuckelige Altstadt habt ihr hier,,,,“ – so sagte der PR-Autor und langjährige LKS-Onkel Arndt Ellmer bei einem kurzen Treffen im Foyer. Und Michelle Stern zeigte sich ganz angetan von der „Maiwoche“, dem beliebten Osnabrücker Straßenfest, das stets über zehn Tage lang im Mai stattfindet. Die beiden kamen gerade von einer Podiumsdiskussion, bei der es um die Leserkontaktseite (LKS) gegangen war. Eine der wesentlichen Erkenntnisse dabei war, wie Michelle Stern erzählte, wie sehr sich der Tonfall der Leser im Laufe der Jahre geändert habe. Hatte es noch zu Arndt Ellmers Anfangszeiten als "LKS-Onkel" vor allem einen tiefsitzenden Respekt gegenüber den PR-Autoren gegeben, sei heute das lockere Du und ein manchmal auch frecher Tonfall durchaus die Regel, wie die Autorin nach der Veranstaltung erzählte. „Hey Michelle“; hieße es dann desöfteren. Die moderne Technik macht’s möglich...


Al Kelsner vor einem seiner Werke, das als Titelbild erschienen ist.  (Thomas-Achenbach-Foto) 

Ein Tag pro Woche ist für die Leser reserviert - Michelle gibt Antwort


Denn während das Schreiben eines Briefes zwangsläufig eine Form von Distanz herbeiführt, ist das rasche Tippen auf einem Smartphone-Display eine Kommunikationsform, die ganz automatisch zu mehr Lockerheit verleitet. Rund 25 Mails und ein bis zwei Briefe trudeln pro Woche bei der aktuellen „LKS-Tante“ ein – und weil jeder eine persönliche Antwort darauf bekommt, nimmt sie sich einen ganzen Arbeitstag pro Woche Zeit dafür.

Michelle Stern: Action muss über Figuren erzählt werden


Die 36-jährige Michelle Stern, die eigentlich Stefanie Jahnke heißt, hat sich ebenso wie Wim Vandemaan, der eigentlich Hartmut Kasper heißt (um ganz korrekt zu sein, sogar Dr. Harmut Kasper), ein Pseudonym für ihre Autorentätigkeit zugelegt. Dass sie den Roman mit der Nr. 2800 schreiben durfte – eine Nullnummer, einen Meilenstein, den Auftakt eines neuen und 100 Bände währenden Zyklus‘ -, war eine Ehre und Auszeichnung. Als eine der Jüngsten im Team diesen ersten von einer Frau geschriebenen Nuller-Roman verantworten zu dürfen – vor dieser Aufgabe hatte Stern, wie sie sagt, schon auch Respekt. „Nicht nur entspannt“, beantwortete sie die Frage, wie sie das gesehen habe. Zumal der Roman über eine Menge Action verfügt. Beim Schreiben solcher Szenen hat die Autorin den Anspruch, die Action über die Figuren zu erzählen. „Was macht das mit der Figur?“, sei dann die zentrale Frage. Doch die Arbeit habe sich gelohnt, die Resonanz sei überwiegend positiv, sagte Michelle Stern im Gespräch. Rund vier Wochen braucht Michelle Stern für einen Roman für die Erstauflage (bei den dickeren NEO-Bänden, die die Perry-Rhodan-Handlung in der modernen Zeit neu erzählen, sind es rund sechs Wochen).

Fleißiger Grafiker: Über 600 Titelbilder, über 1000 Innenillustrationen


Im Obergeschoss des "Haus der Jugend" hatte der Grafiker Al Kelsner einen Raum bezogen und eine kleine Ausstellung aufgebaut. Zwar ist der 65-Jährige, der über 600 Titelbilder und über 1000 Inennillustrationen für die Serie beigesteuert hatte, nicht mehr im aktiven Dienst, aber vier Titelbilder pro Jahr übernimmt er dann doch noch. Früher waren es rund 16 Bilder pro Jahr, „das hat zum Leben gereicht“, wie Kelsner erzählte – das und die nebenher für allerlei Werbekunden getätigten Aufgaben. Als begeisterter Science-Fiction-Fan sandte Kelsner dem damaligen und viel zu früh verstorbenen PR-Autoren William Voltz ein paar seiner Arbeiten. Der war so angetan von den Bildern, dass er einige Nicht-Perry-Rhodan-Kurzgeschichten dazu schrieb – das Ergebnis war das gemeinsame Buch „Zeitsplitter“. Der Start einer langen Zusammenarbeit. 

Welche Szene er auf dem Titel zeigt, entscheidet der Grafiker selbst


Besonders stolz ist Kelsner darauf, dass die von ihm dazu erfundenen Seitenausleger bei den Kleinraumschiffen sogar in die Risszeichnungen eingeflossen sind. Für die Arbeit an einem Titelbild bekommt er entweder das Exposé des Romans oder auch mal den schon fertigen Roman zugeschickt. Dann hat er rund vier Wochen Zeit für seine Arbeit – bei komplett freier Auswahl, welche Szene er zeigen will. Wie die vielfältigen ausgestellten Werke zeigten, kann das Ergebnis von Figurenzeichnungen über fliegende Raumschiffe bis zu Action-Szenen reichen. 

Ein Expokrat bleibt geheimnisvoll - ob die alten Zöpfe fallen?


Natürlich bot der Con noch mehr als das - doch den nur eineinhalb Stunden bleiben könnenden Blogger riefen dienstliche Verpflichtungen an einen anderen Ort. Eine spannende Podiumsdiskussion mit dem Expokraten Wim Vandemaan über die Rahmenhandlung der Serie hätte noch auf dem Programm gestanden - und, wie später zu hören ist, hatte diese Veranstaltung ein differenziertes Bild vor allem der Leserschaft gezeigt. Manche mögen eben den großen mystischen Überbau aus Chaotarchen und Kosmokraten und dem Zwiebelschalenmodell - während andere das als überbordenden Schwulst ablehnen. Ob der neue Zyklus mit seinen Zeitsprüngen dem "Perryversum" die Chance geben wird, alte Zöpfe abzuschneiden und manches Epische über Bord zu werfen, wurde jedoch genausowenig von Wim Vandemaan kommentiert wie die Vermutung, dass die grobe Handlung bís zum magischen Band 3000 doch sicher schon festestehen müsste. Der Expokrat, so ist zu hören, blieb geheimnisvoll. Klar, das ist sein Job. Spannender Randaspekt: Die Chaotarchen könne man eben nicht alleine als die Bösen ansehen, während die Kosmokraten nicht das reine Gute verkörpern - wie auch in TV-Serien wie "Lost" ist es gerade die Loslösung von alllzu schematisierten Schwarz-Weiß-Darstellungen, die die Würze ausmachen. 

Osnabrück ist optimales Con-Pflaster - auch wegen des Nieselregens


Dass sich der Osnabrücker Samstag mit Nieselregen und grauen Wolken von seiner ungemütlichen Seite zeigte, spielte den Veranstaltern natürlich überdies in die Karten: „Das ist doch super Con-Wetter“, schmunzelte Michelle Stern. Jedenfalls war es das typische Osnabrück-Wetter. Also ein optimaler Platz für einen Con. Na also. Diaspora war gestern, Perry kehrt zurück. 

- Weiterlesen? Noch mehr Infos über den Con gibt es auch im Blog des PR-Fans Uwe Bätz unter www.uwebaetz.de. Und auch der Blog "Gedankensprünge" aus Ostfriesland hat einen lesenswerten Beitrag geschrieben: www.fiksleer.wordpress.com.

- Alle Infos über die Perry Rhodan Fantage 2017 in Osnabrück im Haus der Jugend in Kürze über www.prfz.de.


Man staunt und guckt und simpelt fach... Ein Con ist immer auch eine familiäre Kontaktbörse.  (Thomas-Achenbach-Foto) 


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