Freitag, 14. August 2015

Große Oper, frisch und kostenlos, jederzeit und in hoher Qualität - warum das Projekt "The Opera Platform" ebenso spannend wie auch bedenklich ist


Wer die neue Internetplattform aufruft, landet erstmal bei "La Traviata" - es gibt aber auch Wagner und Sibelius und mehr. (Arte-PR-Screenshot) 


Osnabrück/Straßburg – Die neue Internetplattform war gerade mal einen Monat alt, als sie im Juni 2015 ihren ersten Höhepunkt erreichte: Mit einer kostenlosen Live-Übertragung von Richard Wagners „Götterdämmerung“ aus der Wiener Staatsoper in der 2008 uraufgeführten Inszenierung des Regisseurs Sven Eric Bechtolf machte die neue Website „The Opera Platform“ unter Opern-Fans von sich reden. Was für ein komfortabler Mix: Ein großes Opernhaus, ein großes Werk, alles live und online überall verfügbar und kostenlos –und das auch weiterhin, denn wie bei allen dort gezeigten Opern ist auch dieses Werk nach der Live-Übertragung noch sechs Monate ständig abruf- und ansehbar, ganz einfach per Mausklick. Und ganz legal (was bei den meisten der auf Youtube verfügbaren Opern-Gesamtaufnahmen nicht unbedingt der Fall ist).

Das Konzept: Große Hits und spannende Seltenheiten im Mix


Auch der Verdi-Klassiker „La Traviata“ in einer spannenden Inszenierung von Richard Eyre (verantwortete den aktuellen Doppelpack Cavalleria Rusticana/Pagliacci an der MET in New York), ein Aix-en-Provence-Festivalproduktion von Mozarts „Entführung“ oder eine getanzte Version von Jean Sibelius selten gespielter Tondichtung „Kullervo“ sind unter anderem auf der Internetseite zu erleben – für den 12. September 2015 ist eine Bohéme aus Oslo angekündigt (sieht nach interessanter Interpretation aus). Noch bis November wird die polnische Oper „Król Roger“ von Karol Szymanowski in einer Londoner Inszenierung über die Plattform zu erleben sein. Offenbar bleiben die Verantwortlichen also auch weiterhin bei ihrem Konzept, große Hits mit selten gemachten Entdeckerperlen zu kombinieren. Ein spannender Ansatz – und eine interessante Plattform, bei der das genaue Hinsehen lohnt.

Und wer steckt dahinter? - Sogar die EU finanziert das Projekt


Bei dem Projekt handelt es sich um ein Gemeinschaftswerk des TV-Senders Arte, der EU und eines Zusammenschlusses von 15 europäischen Opernhäusern. „The Opera Platform“ wird in drei Sprachen (Deutsch, Französisch und Englisch) angeboten. Jeden Monat wird mindestens eine neue Oper aus Europa online gestellt, wie es in einer Pressemitteilung aus der Arte-Redaktion heißt. Mit 1 855 688 Euro hat die Europäische Kommission ihren Anteil zu den Gesamtkosten von 3 937 166 Euro beigetragen. Alles im Dienste der Kultur und ihrer digitalen Verbreitung – denn darin sehen viele Opernhäusern einen Teil ihrer Zukunft... Allerdings steht die Kulturbranche hier ganz offensichtlich vor derselben Herausforderung wie es lange Zeit bei den Printmedien der Fall war...

Alles kostenlos in bester Qualität - kann das auf Dauer so bleiben?


Denn was zurzeit noch kostenlos weiterverbreitet wird, muss eines Tages monetarisiert werden können, damit es einen Sinn hat. Wie das geschehen kann, bleibt spannend – die Kino-Live-Übertragungen haben da sicher noch die Nase vorn, weil das Live-Gefühl im dunklen Saal einfach prickelnder ist als vor dem aufgeklappten Laptop zuhause (na klar, man könnte den Streamingdienst gewiss auch auf den heimischen Fernseher übertragen, und, na klar, es wird ein paar Nerds geben, die das auch tun… - aber gewiss nicht alle, wie z. B. der Autor dieser Zeilen).

Was wir jetzt tun: Mitfiebern, mitmachen, Zukunft mitgestalten


In der Übergangszeit aber heißt es: Mitfiebern, mitmachen, abwarten, Zukunft mitgestalten. Was sich die Kulturverantwortlichen in Europa und der Welt derzeit an spannenden Projekten einfallen lassen, verdient so oder so die nötige Aufmerksamkeit und Unterstützung. Wer sich für das Opera-Projekt interessiert, kann über die Website www.opera-europa.org einen Newsletter bestellen (auf Englisch, aber lohnend).

Infos: www.theoperaplatform.eu/de.


Das Logo der neuen Internetplattform erinnert an ein Auge - hier ist sogar die Vermarktung stimmig, was bei Kulturprojekten nicht immer so sein muss.  (Arte-PR-Screenshot)

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