Donnerstag, 24. September 2015

Hamburger Staatsoper bestätigt: Ja, unser Twitter-Auftritt ist offiziell - und betont: Ja, Kultur-Institutionen sollten die sozialen Netzwerke nutzen. Ein Interview anlässlich des #Bayreuthfakes.


Osnabrück/Hamburg - Es war der Aufreger des Sommers - für die Internetgemeinde genauso wie für die Kulturszene. Als sich herausstellte, dass der vermeintliche echte Twitter-Auftritt der Bayreuther Festspiele ein Fake gewesen ist, war die Aufregung groß. Zumal sich fast zeitgleich mit den Bayreuther Festspielen noch andere große Kulturhäuser im Twitter-Netzwerk angemeldet hatten und nun die spannende Frage im Raum stand: Sind sie eigentlich echt? Im Fokus stand dabei vor allem die Hamburger Staatsoper. Und? Ist der Twitter-Account ein Fake? Der "Kulturesque"-Blog hat nachgefragt. Siehe da: Keinesfalls ein Fake, alles echt! So bestätigt es jetzt ganz offiziell die Pressestelle des Traditionshauses. Hier ist das komplette Interview im Wortlaut - es wurde Mitte September 2015 per E-Mail durchgeführt...

Sarah Weissberg kümmert sich um die Online-Kommunikation der Hamburger Staatsoper - und bestätigt: Ja, unser Twitter-Account ist tatsächlich echt.  (Eingesandtes Foto)


Sarah Weissberg, Sie sind als neue Referentin für die Online-Kommunikation der Hamburger Staatsoper verantwortlich. Können Sie also ganz offiziell bestätigen, dass der Twitter-Auftritt Ihres Hauses tatsächlich echt ist und kein Fake?

Sarah Weissberg: Ja das kann ich bestätigen.

Wie oft sind Sie das denn schon gefragt worden?

Die Frage kam auf Twitter natürlich desöfteren auf, da sich der Start unseres Twitter-Auftritts mit dem Aufreger des #bayreuthfake überschnitten hat. Grundsätzlich ist es ja auch gut, wenn man im digitalen Raum mehr hinterfragt, als einfach hinnimmt – wir warten noch darauf, dass Twitter das blaue Verifizierungs-Häkchen auch für Kulturinstitutionen vergibt.

Das heißt also: Der Bayreuther Festspiel-Fake des Internetblogs „Musik – mit allem und viel scharf“ hat durchaus für Furore gesorgt?

Ja, das hat er – es hat nochmal eindrucksvoll gezeigt welche Relevanz Twitter für den Kulturbetrieb hat, das Medienecho hat dies auch kräftig untermauert.

Wie beurteilen denn andere Häuser diese Aktion – als nötigen Aufruf zum Wachrütteln einer immer noch zu staubigen Branche oder als allzu plakativen Schwachstellenmissbrauch, der nur für Verunsicherung sorgt?

Das kann ich nicht für andere Häuser beantworten, aber es hat gezeigt, dass ein Social-Media-Auftritt für kulturelle Institutionen nicht nur zeitgemäß ist, sondern auch selbstverständlicher Teil der Kommunikation sein sollte.

Muss denn ein Haus wie die Hamburger Staatsoper unbedingt einen Twitter-Auftritt haben?

Wir – und auch unsere neue Intendanz unter Georges Delnon – sieht den Auftritt in digitalen Kommunikationskanälen und sozialen Netzwerken als integralen Bestandteil der Kommunikation mit bestehendem Publikum einerseits und aber auch den Menschen, die noch Schwellenängste haben und die aus verschiedenen Gründen noch wenige Berührungspunkte zum Thema Oper und Musik haben. Das sollte eine Kulturinstitution ebenso als seine Aufgabe sehen und den Dialog in den Kanälen, in denen sich Menschen heute bewegen, suchen. Wir wollen uns dadurch als offenes Haus zeigen und verstehen das als unseren gesellschaftlichen Auftrag. Dazu zählt Twitter, aber auch unsere Website, unser Blog sowie Kanäle wie Facebook, Instagram und Youtube.

Ist Twitter aus Ihrer Sicht mehr ein Branchendienst für Eingeweihte oder ein generelles Internetphänomen wie Facebook?

Twitter ist sicher im deutschsprachigen Raum noch nicht so weit verbreitet und wird auch noch nicht so angekommen, wie beispielsweise Facebook, aber es hat als spezielle Plattform seine Relevanz und Berechtigung – und ist ja auch für nicht angemeldete User einsehbar.

Und wie ist es mit den anderen sozialen Medien?

Auch Kanäle wie Facebook, Instagram und Youtube haben ihre Spezifika, manche werden von der breiten Masse stärker genutzt als andere und haben unterschiedliche Communities. Man muss die Kommunikation und den Umgang mit den einzelnen Plattformen individuell anpassen und für sich beurteilen, vor allem aber auf die Bedürfnisse der User eingehen. Dazu zählt natürlich auch eine regelmäßige Neubewertung der Kanäle für das eigene Haus und das Ausschauhalten nach neuen Trends im digitalen Raum.

Welches läuft am besten?

Das kann ich kaum beurteilen, weil die Facebook-Seite der Staatsoper bereits länger existiert und Twitter wie Instagram erst kürzlich gestartet wurden. Dazu müssen wir in einem Jahr nochmal sprechen J

Wie sieht es denn aufseiten der Künstler selbst aus? Gibt es da Vorbehalte oder Misstrauen? Oder werden die neuen Medien auch hier begeistert als zusätzliche Aufmerksamkeitserzeuger genutzt?

Einige der Künstler sind ja selbst in den Sozialen Netzwerken aktiv und befürworten die zeitgemäße Kommunikation.


- Ebenfalls in diesem Blog: Wie ein Fake-Account die Internetgemeinde aufmischte und was der Grund dafür war...ein Interview

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