Samstag, 14. November 2015

Musikpsychologe der Universität Osnabrück empfiehlt: Gebt Musikwünsche für Eure Trauer- und Todesfeier an (Studie über Trauermusik bringt interessante Impulse)



Die Skulptur „Leidensweg“ des Künstler Joseph Krautwald aus Rheine auf dem jüdischen Friedhof in Osnabrück im September 2015.  (Thomas-Achenbach-Foto)


Osnabrück – Eine Studie der Universität Osnabrück zum Thema Trauermusik (oder, als Fachbegriff: Sepulkralmusik) hat ergeben, dass die Angehörigen für die Trauerfeiern oftmals eine Musik auswählen, die vom konkreten Musikgeschmack des Verstorbenen abweichen kann. Einfach deswegen, weil dieser keine Wünsche für seine Trauerfeier hinterlassen hat und die Auswahl dann nach einem groberen Raster erfolgen muss… Die Studie selbst ist Thema eines Artikels für die Neue Osnabrücker Zeitung, den der Autor dieser Zeilen ebendort veröffentlicht hatDrei Aspekte haben es nicht mehr in die finale Interviewfassung für die Neue OZ (online) geschafft. Weil sie aber allesamt nicht unspannend sind, möchte ich sie der Öffentlichkeit nicht vorenthalten. Hier also – in Form eines „Drei Fragen an…“ – noch die konkreten Lebenstipps, die sich aus der Uni-Studie über Trauermusik ableiten lassen.
  
Prof. Christoph Louven, eines der Ergebnisse ihrer Studie belegt unter anderem, dass das, was bei einer Trauerfeier gespielt wird, von den Wünschen der Verstorbenen teilweise abweicht...

Louven: Das stimmt, ja. Beziehungsweise: die Wünsche der Verstorbenen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Wobei, auch das muss man differenziert betrachten. Nur die wenigsten Sterbenden haben tatsächlich einen Musikwunsch für ihre Trauerfeier geäußert. Also fragen sich die Angehörigen oft: was hätte der Verstorbene vielleicht gerne dabei gehabt? Diesen Begründungskontext haben wir desöfteren gefunden, so nach dem Motto: „Der Verstorbene hat so gerne Operette gehört, also nehmen wir einen Operetten-Titel“. Man muss also differenzieren zwischen dem, was die Angehörigen aussuchen und der Motivation, mit der sie das tun.

Nun haben Sie ja bereits gesagt, dass ihre Studie nicht repräsentativ sein konnte. Gehen wir mal ins Reich der Spekulation – selbst wenn wir eine repräsentative Untersuchung vorliegen hätten, könnte es ja sein, dass ihr Fazit letztlich nur bestärkt wird: Trauerfeiern sind immer eine sehr individuelle Sache. Punkt. Mal mehr nach ihrem Bauchgefühl gefragt: Was glauben Sie?

Louven: Ich denke, je weniger die Leute über die Gestaltung ihrer Trauerfeier reflektieren, desto standardisierter läuft das Ganze nachher ab. Dann ist es vielleicht tatsächlich „Candle in the Wind“, was gespielt werden wird. Die Tatsache, dass die Bestatter sich an dieser Untersuchung beteiligt haben, werte ich als ein Zeichen dafür, wie engagiert sie sind, was eine konkrete Beratung angeht – da wird eben oft gefragt: Was wäre dem Verstorbenen denn wichtig gewesen, was hätte er oder sie gerne gehört?

Ich höre aus dem was Sie da sagen, eine Tendenz raus, die man in einer Botschaft verdichten könnte: Leute, verfügt am besten frühzeitig, was ihr auf eurer Trauerfeier gespielt haben wollt. Das kann hilfreich sein.

Louven: Ich glaube, das ist ganz allgemein ein guter Rat, dass man sich mit dieser ganzen Thematik rechtzeitig beschäftigen sollte. Das geht ja bis zu Themen wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Co. Die Frage ist natürlich: Wo ist Henne und wo ist Ei bei so einer Untersuchung, wie wir sie durchgeführt haben. Ist die musikalische Gestaltung der Trauerfeiern, die wir untersucht haben, tatsächlich das, was die Leute sich wünschen? Oder ist vieles auch aus der Not heraus geboren? Die Gestaltung der Trauerfeier muss ja meistens relativ schnell festgelegt werden, sein, innerhalb einer Woche nach dem Todesfall ist so eine Bestattung organisiert und findet statt. Die Frage ist also: Entscheiden die Leute aus einem Impuls heraus und sind nachher unter Umständen gar nicht zufrieden damit? Aber auch das wissen wir noch nicht, weil wir die Trauernden selber nicht befragt haben.



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