Freitag, 24. Juni 2016

Die Geschichte vom Abbau des Theaters? - Theatermarsch in Hagen und Übergabe einer Petition: Protest gegen Kulturabbau und gegen Etatkürzungen - und ein neuer Intendant ist noch nicht in Sicht


Hagen - Die Botschaft war eindeutig, auch wenn sie so formuliert nirgendwo zu lesen war: Macht uns das Theater im nordrhein-westfälischen Hagen nicht kaputt! Denn das genau ist es, was nach Auffassung von über 600 Demonstranten und über 12 000 Online-Unterzeichnern einer entsprechenden Petition derzeit geschieht: Das Theater werde von der Politik kaputtgespart, lautet ihre Kritik. 

Tatsächlich geht es in Hagen, wie schon in Wuppertal, Rostock oder Trier, derzeit ans Eingemachte. Bei einem "Theatermarsch", der am vergangenen Donnerstag (23. 6. 2016) bei sommerlicher Hitze stattfand, machten die Demonstranten ihrem Unmut Luft, unterstützt von zahlreichen Kulturtreibenden aus vielen Städten. Kein Wunder also, dass Hagens regierender Oberbürgermeister - der für viele Hagener als der Buhmann in dieser Geschichte gilt - gleich zu Beginn der Protestveranstaltung auf ironisch-charmante Art und Weise eine kleine Ohrfeige mitbekam: Natürlich galt die live auf dem Friedrich-Ebert-Platz mit vollem Orchester gespielte und vom Hagener Bass Rainer Zaun gesungene Arie "Oh, ich bin klug und weise..." aus der Oper "Zar und Zimmermann" dem parteilosen Erik O. Schulz. Und wer den Stoff noch kennt, der weiß, dass der Bürgermeister in ebenjener Oper keine besonders gute Figur macht...


Debatte festgefahren, Zeigefinger ausgestreckt


Als dann schließlich der (echte) OB Erik O. Schulz auftrat, um die über 12 00 Unterschriften der Petition entgegenzunehmen, zeigte sich anhand der wütenden Zwischenrufe, wie aufgehitzt und angestachelt die Situation in Hagen derzeit ist. Denn die Politik verlangt weitere Kürzungen, ohne sich an substantielle Fragen wie die einer Spartenschließung heranzuwagen, was aber die Theaterverantwortlichen nicht mehr mit sich machen lassen wollen. Die Debatte darüber ist festgefahren und wird über ausgestreckte Zeigefinger und Schuldzuweisungen geführt, auch seitens des Theaters. Über allem schwebt außerdem noch die Frage: Wer wird das Theater Hagen ab dem Sommer 2017 leiten? 


Das Logo der Protestaktion - die traurige Theatermaske. Diesmal ohne seinen Zwillingsbruder mit dem lachenden Gesicht. Den entsprechenden Aufkleber bekam jeder, der auf dem Platz war, in die Hand gedrückt. Auch die Vertreter von der Presse.   (Thomas-Achenbach-Foto)


"Unbehagen in Hagen" - da kommt man ins Schwitzen


Denn einen neuen Intendanten für das Hagener Haus konnte noch keiner finden. Der aktuelle Amtsinhaber, Norbert Hilchenbach - der 2005 auch die Stadt Osnabrück aus Frust über Budgetkürzungen verlassen hatte und offensichtlich vom Regen in die Traufe gesprungen ist -, wird sich zum Ende der nächsten Spielzeit, also im Sommer 2017, in den Ruhestand zurückziehen, nachdem sein Vertrag ausgelaufen ist. Verwaltung und Aufsichtsrat suchen nach geeigneten Kandidaten. Bislang erfolglos. Da kommt so mancher in Schwitzen in Hagen. 


Die traurige Theatermaske bestimmte das Bild - sie war gewissermaßen zum Logo des Theatermarschs erklärt worden.   (Thomas-Achenbach-Foto)














Wie auch beim Theatermarsch viele erkennbar zu transpirieren begannen. Die deutlich über 30 Grad liegenden Temperaturen taten da nur ihr Übriges dazu.... Wie hatte die "Zeit" vorab so schön geschrieben: Es herrscht "Unbehagen in Hagen". In einem Beitrag für die Neue Osnabrücker Zeitung habe ich die aktuelle Lage mitsamt all ihrer Hintergründe zusammenzufassen versucht (hier geht es weiter zum Artikel auf noz.de). Ergänzend dazu hier noch ein paar Bildimpressionen vom Theatermarsch...



Im Hintergrund das Theater Hagen, hier begann der Theatermarsch um 13 Uhr - von dort ging es durch die gesamte Innenstadt bis vors Rathaus.   (Thomas-Achenbach-Foto)

Kreative Kostüme und Puppen - und mittendrin immer wieder auch ein Instrument. Es war ein Marsch der Kreativen, der sich durch die Innenstadt schlängelte.  (Thomas-Achenbach-Foto)

Solidaritätsbekundungen auf den Schildern - Theaterschaffende aus Karlsruhe, Aachen, Duisburg, Bochum, Essen, Detmold und Gelsenkirchen waren eigens für die Demo nach Hagen gefahren.   (Thomas-Achenbach-Foto)

Der Hagener Theaterbulli ist mit einer eindeutigen Botschaft unterwegs: Theater zu verkaufen. Ab Sommer 2017 sogar ohne Intendant?    (Thomas-Achenbach-Foto) 

Ebenfalls auf diesem Blog: Weltweit einmalig: Warum gibt es in Deutschland eigentlich so viele Theater - und die Subvention? Wie kommt das?

Und im Trauerblog des Autors: Trauma - das ist ein großes Wort. Was ist der Unterschied zur Trauer? Ein Psychologe sagt: Das Thema Trauma wird schlecht vermittelt

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