Montag, 20. März 2017

"Das kosmische Erbe" weckt die alte Faszination wieder: Warum ich den Perry-Rhodan-Roman Nr. 2900 komplett durchgelesen habe, obwohl ich das gar nicht vorhatte (übrigens auch nicht darüber zu schreiben....)

Osnabrück (eb) - Und wieder startet ein neuer Zyklus in der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Diesmal: Genesis. Aha. Star Trek 2 und 3 winken um die Ecke? Wie dem auch sei: Band Nr. 2900 macht den Auftakt. Nun ja: Ich hatte eigentlich nicht vor, den ganzen Roman zu lesen. Geschweige denn darüber zu schreiben. Einfach mal reinschnuppern, so als alter Fan, das war mein Ziel. Denn die Zeiten, in denen jede Nullnummer aus der Romanserie "Perry Rhodan" ein Lesemuss war, sind bei mir seit Jahrzehnten vorbei. Auch der aktuelle Roman wird das nicht ändern. Und dennoch habe ich ihn in einem Rutsch verschlungen und habe gespürt, wie sehr die alte Faszination wieder in mir wachwerden kann. Erstmals seit langem. 

Die Romanserie Perry Rhodan aus der weiteren Ferne zu beobachten, hat in den vergangenen Jahrzehnten locker gereicht. Gereizt hat mich nix. Immer wieder wurde das alte Muster bedient. Immer wieder kamen gigantische Gefahren in Form von außerirdischen Invasoren, deren Übermacht erst unschlagbar-mega-gigantomanisch, am Ende dann aber doch irgendwie zerstörbar war. Meistens wurde dieses Erzählmuster durch allerlei kosmisches Übergeschwurbel bis ins schier Unenendliche aufgeblasen ("Neuroversum", "Die Jenzeitigen Lande"). Okay, zugegeben: Die Nummer 2800 als Start der "Jenzeitigen Lande" war eines der ersten Hefte, das ich mir aus Neugier sogar mal wieder kaufte. Aber es dauerte keine zehn Seiten, schon war man wieder mittendrin in großen Gefahren und einer Actionhandlung aus dem Baukastensystem. Soweit, so gähn. Mit 2900 ist das erstaunlicherweise anders. 

Der Band Nr. 2900 aus der Serie "Perry Rhodan" kommt mit einem Umlaufcover des Zeichners Dirk Schulz daher. Der Roman "Das kosmische Erbe" startet den neuen "Genesis-Zyklus".  (Thomas-Achenbach-Foto)

Es beginnt mit Politik und Diplomatie. Was immer ein guter Start ist, weil diese Themen die faszinierenden Untertöne und Zukunftsvisionen der Perry-Rhodan-Serie hervorkitzeln. Und dann folgt ein sanfter Einstieg mit ganz viel Mystery und Sense Of Wonder, filmischen Szenen und viel gutem Kopfkino - eine Statuenarmee im Format der chinesischen Terrakotta-Armee wird in einer Forschungsstätte entdeckt. Und es stellt sich nicht nur heraus, dass sich die Köpfe der vermeintlich starren Figuren bewegen, sondern dass sie mit merkwürdigen Vorgängen im Universum verbunden sind. Schon muss Rhodan mit seiner Crew aufbrechen zu einer Rettungsmission auf einen durch Sonneneruptionen zerstörten Planeten. Am Ende wird es fast wieder ein bisschen arg schwurbelig, hält sich aber noch im Rahmen. 


Rasantes Tempo und eine bemerkenswert gute Autorin


Kurzum: Atmosphärische Dichte statt Geballer und Gedrohe. Ein ganz sanft eingeführtes Rätsel, das Lust drauf macht, gelöst werden zu wollen. Viel "Sense Of Wonder". Ein hoher Anteil an echter Science, also an aktuellen wissenschaftlichen Kenntnissen (was Sonnenkräfte, Gase, Gravitationskräfte etc. angeht). Ein bisschen Politik und Diplomatie. Wenig bis gar kein Schwurbel-Überbau. Dazu ein exzellent geschriebener Roman von einer bemerkenswert fähigen Autorin, die mir bislang vollkommen unbekannt war. Rasantes Erzähltempo. Fast wünschte man sich, dieses Heft wäre als Sondernummer mit mehr Umfang erschienen - wäre diese sich so rasch entwickelnde Handlung mit ein wenig Philosophie und nachdenklichen Zwischentönen ausgestattet, wäre man längst im Bereich der "ernsthaften", weil nicht mehr rein "unterhaltenden" Literatur. Und am Ende dann eine Kamerafahrt über das Raumschiff Ras Tschubai wie im schönsten "Star-Trek"-Film. Chapeau. Ein Roman, der mich seit langem mal wieder gepackt hat. Wie früher. Perry Rhodan hatte früher einmal - beinahe - meine Schulkarriere gefährdet.


Den Autoren wurde es schon Mitte der 90er zuviel


So vernarrt war ich in diesen gigantischen Sci-Fi-Kosmos, der den Autoren ja schon Ende der 90er - also zu meinen Lesezeiten (Cantaro-Zyklus, Linguiden-Zyklus) - etwas zu groß geworden war, dass ich zwischenzeitlich versucht war, Erstauflage, dritte Auflage und fünfte Auflage parallel zu lesen. Was zum Scheitern verurteilt war. Aber immer, wenn es mal nicht um Raumschlachten ging, war da diese alte Faszination, dieses leise Kribbeln der Mixtur aus Rätselhaftem, Unerklärlichem, Gigantischem, da war die gekonnte Mischung aus vielerlei Star-Trek-Faktoren (Ethik, Moral und Politik) und ein wenig Star-Wars-Geballer (Wenig! immer besser, wenn: wenig!). Mit 2900 ist dieses Gefühl für einen kurzen Zeitraum zurückgekehrt. Okay, schaut man sich die Galerie der kommenden Titelbilder an, steht zu befürchten, dass die Autoren wie so oft jetzt erstmal auf Nebengleise abbiegen....


Droht die übliche Zyklus-Beginn-Falle: Jetzt erstmal Nebengleise?


Offenbar droht ein Gerichtsprozess wegen Mordes in der Ferne, in den irgendwie die Besatzung der Ras Tschubai oder Perry Rhodan selbst verwickelt werden wird... Jemand wird zudem eingekerkert und befreit, verkündet Chefredakteur Klaus N. Frick auf der Perry-Rhodan-Logbuchseite. Vermutlich folgt das übliche "Jetzt muss halt erstmal was Anderes und Spannendes geschehen weil wir sonst nicht auf 100 Bände kommen"-Zyklusverlängerungsgedöns... Aber mal sehen, wie sich das alles entwickelt. Dieses Heft zu lesen jedenfalls war ein Genuss. Danke. Dass das Herunterladen der Audiodateien von Eins A Medien nebenher noch meinen (vermutlich ohnehin überlasteten) Laptop geschrottet hat und ich jetzt auf dem ganz alten meiner Frau tippe (Geduldsprobe...) - geschenkt, das ist ein anderes Thema... Muss was Neues her. Man braucht ja noch Zukunftsvisionen. Also auch kurzfristige. Ach, und übrigens, noch ein Randaspekt: Es wird ja so gerne behauptet, dass das, was früher D-Mark-Preise waren, heute eins zu eins in Euro gezahlt werden muss. Aber das ist nich wahr: Zu meinen Zeiten kostete ein Perry-Heft 2,20 D-Mark. Heute 2,10 Euro. Siehste, also ein Zehnerling günstiger... ;-)

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