Mittwoch, 28. Februar 2018

Am 16. 5. wird das Musical "An American In Paris" als Bühnenshow im Kino gezeigt - zwar nicht live, aber live aufgezeichnet - warum sich das Anschauen sicher lohnen wird, was einen erwartet plus die Hintergrundgeschichte des Musicals



Was 1951 ein Film war, ist inzwischen ein Musical für die Bühne geworden - dabei hat George Gershwin niemals ein Musical mit dem Namen "An American In Paris" komponiert.  (Trafalgar-Releasing-Foto) 

Osnabrück - In meinem Interview mit ihm zum Thema "Live-Events im Kino" hatte der Vermarktungs-Fachmann Thomas Schülke noch über Musicalübertragungen gesagt: "Da würde ich mir auch ein regelmäßigeres Angebot wünschen." Nun geht sein Wunsch für einen Tag in Erfüllung - am 16. Mai 2018 (Mittwoch, 19.30 Uhr) wird weltweit wieder ein Bühnenmusical aus dem Londoner West End auf der Kinoleinwand zu erleben sein, so, wie es dereinst schon mit "Billy Elliot" erfolgreich geschah. Diesmal ist es "An American In Paris", so wie es im Londoner Westend gelaufen ist. Wobei das Musical selbst eigentlich im titelgebenden Paris erstmals auf die Bühne gebracht wurde und in London bereits abgespielt ist. Hier die Fakten dazu.

"'An American in Paris' ist im West End ausgelaufen, aber Sie können das Musical am 16. Mai in Kinos weltweit erleben" - so heißt es auf der Website des Stückes. Und wer sich durch den Werbebanner hindurchklickt, der erfährt: Am 6. Januar ist die letzte Aufführung des Musicals im Londoner West End über die Bühne gegangen. Anders als seinerzeit bei Billy Elliot und anders als bei der "MET im Kino" handelt es sich also um eine Aufzeichnung (vielleicht eine, die auch auf DVD erscheinen wird - Vermutung...!), nicht um ein Live-Ereignis. Okay, das gibt einen Punktabzug. Sehenswert und lohnenswert wird der Abend indes ganz sicher. Denn vieles spricht dafür, sich dieses Stück auf der großen Leinwand anzusehen:

Ja, sind wir denn hier bei "La La Land"? Wobei: Auch "La La Land", ein einziger Zitatereigen, bediente sich durchaus bei "An American In Paris" (Trafalgar-Releasing-/Johan-Persson-Foto).

Als ich noch an der Hochschule Osnabrück das Thema "Geschichte des Musicals" unterrichtet habe (was ich aus Orga- und Zeitgründen erstmal beiseite legen musste, bevor mir alles, was ich so gerne tue und gerne tun würde, über den Kopf wächst), hat "An American In Paris" eine zentrale Rolle in meinem Lehrplan gespielt. Denn was hier gerne als Gershwin-Musical verkauft wird, ist ja in Wahrheit vor allem eines: Ein Filmmusical aus dem Jahr 1951, also aus der silbernen Ära dieses Genres (davon ausgehend, dass die goldene Ära des Filmmusicals mit Werken wie "Top Hat" begann). Und eines der ersten so genannten Jukebox-Musicals, also eines, das aus bereits bestehendem Songmaterial mit neuer Handlung zusammengebaut wurde. Denn George Gershwin selbst hat dieses Stück so niemals geschrieben - wohl aber die hier in Teilen benutzte Tondichtung, von ihm selbst als Rhapsodie bezeichnet, die im Film in einer grandiosen Traumsequenz als lange Tanz- und Ballettszene benutzt wird. Auf die Idee, aus dem Film auch ein Bühnenmusical zu machen, nach Vorbild des äußerst erfolgreichen "Crazy For You" (das inzwischen sogar auf der Freilichtbühne Tecklenburg gelaufen ist), kam man tatsächlich erst 2014. Obwohl es ja recht naheliegend gewesen wäre. Und es geschah in einer eigentlich nicht für ihre Musicals berühmte Stadt....


Tanz und Glanz, große Tableaus und klassische Bühnenbilder - wer es oldfashioned mag, ist bei diesem Musical sicher an der richten Stelle (Trafalgar-Releasing-/Johan-Persson-Foto).

Wobei, okay, zugegeben, die Behauptung stimmt nicht: Denn auch in Paris, der Hauptstadt Frankreichs, gibt es eine eigene Musicalkultur. Wobei Stücke wie "Romeo & Juliet" oder "Notre Dame de Paris" mehr als Rock-Revuen funktionieren, aber das ist ein eigenes Thema. Jedenfallls war es das Théâtre du Châtelet in Paris, in dem die Bühnenfassung von "An American In Paris" ihre Uraufführung erlebte. Erst ein Jahr später kam das Stück dann auch am Broadway heraus. Den Film auf die Bühne zu heben, macht in mehrfacher Hinsicht Sinn. Zum einen, weil der seinerzeit komplett in einem Filmstudio gedrehte Streifen heute doch ziemlich künstlich wirkt. Und zum zweiten, weil er ein hübsches Best-Of-Programm der Gebrüder George und Ira Gershwin anbietet, das man einfach kennen sollte (einschließlich solcher Hits wie "‘S Wonderful" oder das schon in "Crazy For You" verwurschtelte "I Got Rhythm') . Was das Musical indes so sehenswert machen wird, ist klar.


Was uns erwarten dürfte: Musical ganz "wie früher"


Es ist sein betörend altmodischer Charme. Von dem ich mir erhoffe - der ich die Bühnenversion noch nicht gesehen habe -, dass er genauso bezaubernd sein wird wie er es einst bei "Crazy For You" gewesen ist. Denn schon aus diesem Musical bin ich seinerzeit, 1995, im West End herausgegangen mit einer gewissen Atemlosigkeit und dem Gefühl, etwas so Herrliches erlebt zu haben wie seinerzeit die mich als Kind in den Bann ziehende "Hello Dolly" 1983 im Osnabrücker Theater. Also: Musical "wie früher". Eine Handlung hat das Musical natürlich auch, sie liest sich in der Ankündigung des Kinovermarkters wie folgt:

Dieses Plakat dürfte in dem einen oder anderen Kino auftauchen (Trafalgar-Releasing-Foto).

"Jerry Mulligan ist ein amerikanischer GI, der danach strebt, es als Maler in einer Stadt zu schaffen, die plötzlich voller Hoffnung und Möglichkeiten ist. Nach einer zufälligen Begegnung mit einer schönen jungen Tänzerin namens Lise, bilden die Straßen von Paris den Hintergrund für eine sinnliche Romanze voller Kunst, Freundschaft und Liebe in der Zeit nach dem Krieg…". Was das Musical aber eigentlich bieten dürfte, geht über die Handlung hinaus: Große Szenenbilder, Tanz-Tableaus, swingende Orchestermusik, Glanz, Tanz und Bühnenzauber. Oder? Wir werden sehen. Und was das Dominion Theatre in London angeht, dem bisherigen Spielort von "An American in Paris": Dort startet Mitte April tatsächlich "Bat Out Of Hell, The Musical". Auweh. Was das wohl werden wird?

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die "Live-im-Kino"-Ereignisse ein großer Wachstumsmarkt sind und was die Branche noch alles Spannendes plant

Ebenfalls auf diesem Blog: "Tote Mädchen lügen nicht"... 10 Gründe, warum das Buch wesentlich besser ist als das zu Recht umstrittene Netflix-Serienphänomen

Ebenfalls auf diesem Blog: Charlie Chaplins Leben als knallbunte Groteske - so ist das brandneue Musical "Chaplin" im Theater in Osnabrück als deutsche Erstaufführung

Ebenfalls auf diesem Blog: Warum die TV-Serie "Lost" vom Star-Wars-7-Macher J. J. Abrams am Ende eine einzige Enttäuschung war - obwohl sie den Markt revolutionierte

Ebenfalls auf diesem Blog: 10 Gründe, warum "The Crown" von Netflix die beste Fernsehserie seit vielen, vielen Jahren ist 

Ebenfalls auf diesem Blog: Die Netflix-TV-Serie "Stranger Things" ist ein einziges Zitate-Raten für Kinder der 80er - was sich alles an Easter Eggs finden lässt

Ebenfalls auf diesem Blog: Genug gemeckert, wir sollten froh sein über unsere Theater - eine Liebeserklärung und eine Lobpreisung zum Welttheatertag



Keine Kommentare: