Samstag, 19. April 2014

Am 16. 4. 2016 (Samstag) ist es wieder soweit: Erinnerungen zum "Record Store Day“ – warum ein gelingendes Aufwachsen ohne Plattenläden nicht möglich war (eine Ehrung und Würdigung)




Osnabrück - Setz die Nadel auf das schwarze runde Ding und lausche diesem Knistern und Knacken, bevor die Musik einsetzt… Wunderbar, oder? Da werden Erinnerungen wach. An Läden, an den Moment des Stöberns, Guckens, Kaufens…. Einmal im Jahr ist „Record Store Day”. Im kommenden Jahr, 2016, wird der Tag am 16. 4. stattfinden. Ein Tag also, der der Ehre und Würde der Plattenläden gewidmet ist – oder besser gesagt, dem „Plattenladen als Institution“. Und wenn ich auch der Meinung bin, dass man nicht jeden Jahrestag unbedingt ernst nehmen muss (ööhmmm… der vierte Mai ist also der weltweit gefeierte „Star Wars“-Tag, weil „May The Forth“ ungefähr so ähnlich klingt wie „May The Force…“ – och nöööö...), so hat dieser Tag eine Bedeutung. Eine persönliche. Für Dich auch? 

Ein Jahrestag dient immer auch dem Gedenken


Natürlich gilt der „Record Store Day“ all jenen Plattenläden, die nach wie vor aktiv  sind, auch wenn sie, leider, immer weniger werden. Für mich gilt der Tag aber auch dem würdigenden Andenken an die vielen Läden, die es nicht mehr gibt. Eben weil sie – nicht nur für mich, sondern für viele Menschen meiner Generation – ein immens wichtiger Bestandteil einer normalen Jugend in den 80er und 90er Jahren gewesen sind. Anlass genug also für ein paar ganz persönliche Erinnerungen.

Die erste Platte war so wichtig wie der erste Kuss


Es gibt diese magischen Momente im Leben eines Menschen, die man niemals vergisst und die alle an die aufregenden Abenteuer des Jugendzeitalters gekoppelt sind. Für uns, die wir in den 70er Jahren geboren wurden, waren dies – in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge: das erste Mal Auto fahren, der erste Kuss – und die erste selbstgekaufte Platte. Also auf Vinyl! Bei den meisten Kids dieser Zeit musste es erstmal, aus Geldgründen, eine Single sein, oder eine „Seven Inch“, wie man später lernte.

Ab heute entscheide ich selbst


In den Laden zu gehen und selbst zu entscheiden, welches Stück Musik man sich kaufen wollte, das war ein wichtiges Stück Autonomie und ein wertvoller Schritt in Richtung einer erwachenden Jugendlichkeit. Mann, fühlte sich das gut an. Meine erste Single war Madonnas „Dress You Up“.  Das war Pflicht. Wer sich 1985 für Popmusik interessierte, kam um Madonna nicht herum. Die war da gerade erst gestartet, aber galt schon als „the next big thing“. Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle Schallplatten, die sich im Jugendzimmer vor dem knarzenden und knackenden Mini-Plattenspieler stapelten, ausschließlich Geschenke gewesen. „Die goldene Operette“ oder Musical-Broadways, meist von meiner Oma mitgebracht.

Erste Station einer Fahrt nach Hamburg: Der World-Of-Music-Megastore


Jetzt war also der Grundstein gelegt. Die Welt der Platten wollte erobert werden. Der Musikgeschmack entwickelte sich über die Jahre, formte sich aus, bekam eine adoleszente Reife, die Vinyl-Alben wichen den CDs – aber die Faszination eines Plattenladens blieb immer gleich. Fuhr man einmal nach Hamburg, war die erste Station gesetzt – der gigantische „World Of Music“-Megastore im Keller unterm Alsterhaus, klar. Das war wichtiger als jede Touristensensation. Heute ist auch dieser großartige Laden geschlossen. Das Geschäft hat sich beinahe komplett ins Internet verlagert. Der heutige „Record Store Day“ dient auch der Mund-zu-Mund-Beatmung für eine darbende Branche. Einerseits ist das verständlich. 


Nur „Nice Price“ bringt eben nicht genug


Wenn alle Plattenkäufer früher, so wie ich, nur so etwa ein- bis zwei Mal im Monat in einen Laden hineinbummelten, um dann doch nur eine Schnäppchen-CD aus der Nice-Price-Ecke mitzunehmen, kann sich das Geschäft kaum gelohnt haben. Andererseits: Heute, wo es kaum noch etwas zum Hineinbummeln gibt, kaufe ich auch weniger CDs, und wenn, dann eben nur gezielt. Diese lustigen kleinen Spontankäufe nach dem Moto Habichdagesehenunddachteichnehmdasmalmit sind mit dem Verschwinden von immer mehr Plattenläden bzw. entsprechender Kaufhausabteilungen ebenfalls weitestgehend verschwunden.

Mit jeder Musik kam ein Stück Identität - Danke, liebe Plattenläden


Denken wir also an die goldenen Zeiten der Jugend zurück. Die natürlich nicht immer golden gewesen sind, sondern überwiegend irritierend und verunsichernd. Klar, das muss so. Aber wer, wie ich, einen Teil dieser Zeit des Reifens und Werdens beim Stöbern in Plattenläden verbringen durfte, der weiß, dass diese Augenblicke zu den Wohlfühlmomenten gehört haben. Mit der Musik fand man immer das, was man gerade brauchte. Trost. Protest. Und ein gehöriges Stück persönliche Identität. Danke, liebe Plattenläden. Happy Record Store Day!

Keep on.

-- Siehe auch: Maxis Maximal - warum ein 10-Jähriger in den 80ern den Super-Sound brauchte, eine Würdigung anlässlich des Record Store Days Germany

(Fotos: eigen/Achenbach).



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