Donnerstag, 24. April 2014

Wieviel Toto steckt da noch in Toto? – „Live in Poland“ zum 35-jährigen Bandgeburtstag erscheint als DVD & 2-CD


2014 erschienen, 2013 aufgenommen, immer noch gut - die DVD oder Doppel-CD "Live In Poland" zeigt die fast ganz aktuellen Toto in guter Form.    (Achenbach-Foto / eigen) 


Osnabrück - Während derzeit im März 2015 alle Welt vom neuen Toto-Album 14 (oder auch "XIV") spricht, erinnerst Du dich noch immer an den Tag vor ca. zwei Jahren, als der Ticketalarm via E-Mail plötzlich meldete: „Toto spielen live in Köln und Berlin“. Damals war das eine Überraschung. Häh, wie jetzt, Toto?? Du dachtest doch, die wären noch immer offiziell aufgelöst? So hatte es dir Gitarrist Steve Lukather persönlich in einem Interview bestätigt, und das war noch gar nicht lange her. Dann lagen die Termine echt ungünstig für dich und du hast es nicht zum Konzert geschafft. Leider. Macht nix, das kannst du nachholen. Auf einer vergangenes Jahr veröffentlichen und 2013 live aufgenommenen DVD. Anlass: Der 35. Geburtstag der Band.

Was die alles durchgemacht haben – all die Dramen und Katastrophen


Guck mal an, Toto sind jetzt also auch schon beinahe 40 Jahre alt, fast wie Du. Und was die alles schon durchgemacht haben in dieser Zeit, all die Dramen und Katastrophen neben allen Erfolgen: der Drummer, einer von mehreren beteiligten Brüdern, stirbt Anfang der 90er an einem Insektenstich (wegen Allergie, so die offizielle Version – es gibt eine Reihe anderslautender Versionen). Der langjährige Bassist, sein Bruder, bekommt eine Nervenkrankheit, die ihn an den Rollstuhl fesselt. Und dann immer wieder die Ausfälle von Sänger Bobby Kimball (nicht mehr dabei, also im Moment mal wieder) oder Keyboarder David Paich. Als sich die Band 2008 schließlich offiziell auflöst, scheint das wirklich das Ende zu sein. Das zuletzt abgelieferte Album „Falling In Between“ ist umstritten, wenngleich ganz sicher nicht das Schlechteste.

Gottseidank: Das Personal besteht aus lauter Toto-Veteranen


Und dann diese DVD (auch als Doppel-CD erhältlich) – „Toto live in Poland“. Bleibt die Frage: Wieviel „Toto“ steckt da noch in „Toto“? Na klar, Gitarrist Steve Lukather als unverrückbare Konstante ist wieder mit dabei. Aber sonst ist es mit der Band es ja zuweilen ähnlich vertrackt wie bei Deep Purple, was die personellen Wechsel angeht. Doch, siehe da: Beinahe jeder, der diesmal auf der Bühne steht, hat irgendwann schon einmal irgendwas Wesentliches zum Toto-Leben beigetragen (abgesehen von Bassist Nathan East). Der Sänger Joseph Williams zum Beispiel, der Sohn vom Star-Wars-Komponisten, hat schon auf zwei Original-Alben gesungen, war dann aber bald ausgesungen. Logisch: Die Falsetthöhe eines Boby Kimball erreichen zu wollen, kann schwere Stimmschäden nach sich ziehen.

Wenn die Stimme nicht passt, muss das Arrangement was richten


Auch diesmal müssen Kompromisse gemacht werden: Bei der im Tempo reduzierten und runtermodulierten „Rosanna“ beschleicht einen rasch das Gefühl, dass das Arrangement ein bisschen zuviel leisten muss, um den Song der doch eher gequetscht wirkenden Stimme anzupassen. Ganz anders dagegen das saftige „It's A Feeling“ mit gutem Groove, das wird in Williams‘ gesanglicher Gestaltung zu einem smoothen Erlebnis (und obwohl Keyboarder Steve Porcaro als der Originalsänger auf der Bühne dabei ist, überlässt er dem Leadsänger den Song).

Live entfaltet sich eine Kraft, die die Originale nicht haben


Die Setlist überrascht am Anfang mit deutlicher „Hydra“-Schlagseite, nachdem sich das hymnische „Going Home“ vom Schnippsel-Sampler „XX“ als kraftvoller Opener erwiesen hat. Diese selten live gespielten - bzw. ausgespielten – Sachen entfalten eine enorme Kraft, die sie auf den Original-Alben nicht haben („St. George And The Dragon“, „White Sister“, „Hydra“). Und was die „Rosanna“ angeht: Diese Shuffle-basierte Klaviersolo von David Paich, genial. Überhaupt, die Soli, die Musiker, alles ausgebuffte Studio-Profis, da passt einfach wieder alles.

Spätestens ab der Hälfte wirkt alles homogen, auch die Band


Auch bei dieser Live-Aufnahme verfehlen die Songs des vielleicht dichtesten, wenngleich eher düsteren Toto-Albums „Kingdom Of Desire“ nicht ihre hypnotische Wirkung ; „Wings Of Time“, ebenfalls etwas langsamer als im Original, was dem Song aber verdammt gut steht, wird zur Erinnerungshymne an die Verstorbenen. Spätestens ab der Hälfte fügt sich alles perfekt ineinander und das Ensemble dort oben macht einen homogenen Eindruck. „Hold the Line“ und überhaupt... Klar, die Hits sind dabei. Aber auch so ein Song wie „Better World“ aus dem „Mindfields“-Album mit einem deutlichen  Progressive-Rock-Einschlag gehört zur Playlist, kein Instant-Zünder fürs Publikum, aber ein eindrucksvoll zusammengefügtes Puzzle aus Hymne, Chor, jazzigem Intro. 

Coole Optik – sogar der Gitarrenauswechsler trägt eine Kamera


Optisch gibt es an der DVD nichts auszusetzen – Eagle Vision erweist sich erneut als maßgebliche Instanz in Sachen Konzertfilm. Irre schnell geschnittene Bildfolgen an manchen Stellen lassen einen ebenso staunen wie die Split Screens, die an die TV-Serie „24“ erinnern, eine Helmkamera auf dem Kopf des Gitarrenauswechslers von Steve Lukather ist ein gelungenes Gimmick. Herrlich.

Fazit: Eine hochverdichtete Rockatmosphäre, tolle Soli, super Musiker, gelungene Setlist. Jupp. Geiles Konzert (auch als Doppel-CD).

Siehe auch: So ist das Album "XIV" von Toto - erschien Mitte März 2015.


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