Freitag, 30. Januar 2015

Wieso darf das neue Album von „Foreigner“ denn nicht Live-Album heißen? Warum „The Best Of Foreigner 4 & More“ nicht in meinem Player landete...





Osnabrück - Na, die Jungs von Foreigner sind ja lustig. Da bringen die ein neues Live-Album auf den Markt, verschweigen aber sicherheitshalber, dass es sich um ein Live-Album handelt. Merkwürdige Vermarktungsstrategie. Noch dazu eine, die bei mir nicht funktioniert hat. „The Best Of Foreigner 4 & More“ heißt das Album lediglich. Och nöö, bitte nicht noch eine „Best Of“ von Foreigner, hast Du Dir gedacht, als Du die CD – so wie ich – im Dezember über einen Presseverteiler ins Büro geschickt bekommen hast. Das braucht ja kein Mensch. Weswegen Du die Platte erstmal auf den weit versteckten Später-mal-entscheiden-Stapel gepackt hast. Um sie irgendwann dort wiederzufinden. So wie neulich. Draußen Hagel, Schneechaos, sogar ein Gewitter, die Autos schleichen betrübt und millimeterweise über die Straßen – und Du denkst Dir, naja gut, so ein bisschen Foreigner im Auto-CD-Player könnte die richtige Unterhaltung sein für einen Heimweg, der offensichtlich länger dauern wird also sonst. Weil im Radio ja eh nie das kommt, was Du gerne hören willst. Gedacht, getan. Und dann die Überraschung: Ey, sach mal…. Das ist ja live!

Mehr als Fahrstuhlmusik: Wie mich ein DVD-Konzert wieder überzeugte


Auch, wenn ich beim Akustik-Konzert in der Osnabrückhalle vor einigen Monaten gekniffen habe (ich halte nichts davon, alles auf das Akustikformat runterzubrechen, was nun einmal definitiv eine E-Gitarre braucht – wie auch Matthias Liedtke in seiner Rezension hübsch durchschimmern lässt) und auch, wenn ich noch nie die Chance hatte, die Band wirklich live zu erleben (also in echt), so bin ich doch überzeugt davon, dass Foreigner live was taugen und was können. Da gibt es zum Beispiel die sehens- und hörenswerte DVD „Rockin‘ At The Ryman“, die mich vor einigen Jahren wieder zu einem Anhänger der Band gemacht hat. Nachdem ich die Musik von Foreigner über viele Jahre als reine Fahrstuhlmusik fürs Formatradio wahrgenommen hatte, war ich von der Energie und Dichte dieser kleinen Rockperlen aus dem AOR-Segment überrascht  „musikalisch ein starkes Teil“, urteilten seinerzeit auch andere Rezensenten. Genauso überrascht war ich von Kelly Hansen als charismatischem Frontmann mit großer Stimme. Der kommt zwar rüber wie ein Steven-Tyler-Lookalike, kann aber was. Wie der Rest der Band. 

Gute Rocksongs in einer neuen Knackigkeit, die sie vorher nicht hatten


Und jetzt zu hören, dass auf diesem nicht als solchem deklariertem neuen Live-Album auch die genial arrangierte Konzertversion von „Urgent“ drauf ist – mit verlängertem Intro, das einen erstmal hypnotisch in den Song hineinsaugt -, hat mir unter anderem Freude gemacht. Okay, zugegeben: Die Band schmeißt wenigstens einmal pro Jahr etwas auf den Markt, das den Stempel" Best Of..." oder "Live Best Of..." trägt. Da sind die Unterschiede minimal. Wer schon etwas davon im Schrank hat, muss sich die Anschaffung gut überlegen. Der Name des Albums (The Best of 4 & More) ist diesmal übrigens Programm: Abgesehen von zwei Titeln spielt die Band fast alles vom legendären Vierer-Album und ein paar der obligatorischen Must-plays. Der Sound ist druckvoll und kompakt, was den Songs vom "4"-Album recht gut tut. Als so dicht hatte ich das Original-Album nicht in Erinnerung


Das Beste sind die Sachen, die nicht so abgenudelt sind


Es sind dann auch die nicht ganz so dauergespielten Songs wie „Woman In Black“, „Night Life“ oder „Break It Up“, die in dieser neuen Knackigkeit richtig Freude machen. Immer vorausgesetzt, man mag diesen melodiös-hardrockigen Klang solcher Kapellen wie Foreigner, Journey oder Toto. Den Sound eben, den meine Frau immer gerne als „Altherrenmusik“ bezeichnet (womit sie der Wahrheit ja auch recht nahekommt, heißt doch diese Kategorie von Rockmusik „Adult Orientated Rock“). Zu den Songs des Vierer-Albums gesellen sich noch Klassiker wie z. B. „Feels Like The First Time“ aus dem ersten Album, dessen charmantes Riff einen immer wieder davon überzeugen kann, dass diese Band einfach mehr drauf hat als allzu seichtes „Say-You-Will“-Seifenwassergeplänkel. Das ist letztlich das Problem bei Foreigner: Dass das Formatradio mit den abgenudelten Kuschelrockhits die Wahrnehmung verzerrt hat. Aber so geht es ja vielen Bands. Oder hat irgendjemand der nach-75-geborenen tatsächlich gewusst, dass „Chicago“ eigentlich Jazz-Progressive-Fusion-Rock gemacht haben? Bleibt am Ende noch, ein kleines Kopfschütteln in Richtung der Plattenfirma auszusenden.

Sach mal, Plattenfirma – die Vermarktung ist nicht so ganz stimmig, hm?


Warum das „Live“ auf dem Album nicht angegeben ist, mag ich nicht verstehen. Ich jedenfalls hätte die Platte dann sofort eingelegt. Und nicht erst beiseite gelegt. Vielleicht hätte sie es sogar in die wöchentlichen Scheibenschießen-Rubrik bei den Osnabrücker Nachrichten geschafft. Jetzt wird sie halt hier im Blog besprochen. Naja, immerhin. Dachten wir doch erst, es sei nur ein weiteres nerviges „Best Of“.  






1 Kommentar:

germanpostodc hat gesagt…

Ich kann es schon verstehen, ich bin einfach kein Fan von live-Alben. Von daher hat die Plattenfirma wahrscheinlich einfach nur versucht, solche potentiellen Kunden wie mich nicht gleich abzuschrecken, sondern einfach nur nach dem Kauf zu enttäuschen ;-)