Samstag, 16. Mai 2015

Eine Nachlese der Messe "Leben und Tod 2015" in Bremen - wie sich die Trauer- und Sterbekultur in Deutschland wandelt und was das mit Kultur zu tun hat (inklusive einiger exklusiver und wunderschöner Zitate)



Leuchtende Opferkerzen, fotografiert im Dom zu Osnabrück.  (Achenbach-Foto)

Osnabrück/Bremen - Was haben die Themen Tod, Trauer und Sterben in einem Kultur-Blog verloren? Passt das überhaupt hierher? Nun, wie ein Besuch der Messe "Leben und Tod 2015" in Bremen deutlich zeigte (fand dort Anfang Mai 2015 statt), ist die Trauerkultur in Deutschland gerade in einer Phase des Wandels angekommen. Ebenso wie der allgemeine Umgang mit dem Tod als Thema - und dem Sterben. Es handelt sich also um ein Phänomen des gesellschaftlichen Umgangs mit diesen Themen. Und das wiederum ist... - Kultur. Vieles gab es auf der Messe zu hören, vieles zu sehen, der Kopf war voll, der Notizblock ebenso. Aber der wohl schönste und stimmigste Satz zum Thema Tod stammt aus einem Interview, das ich kurz nach der Messe mit dem Journalisten und Buchautoren Tobias Hürter ("Der Tod ist ein Philosoph") für die Osnabrücker Nachrichten führen durfte: "Es ist grundsätzlich so, dass die Auseinandersetzung mit dem Tod für die meisten Menschen etwas Befreiendes hat." Dazu passt einer der Sätze, die der Logotherapeut und Buchautor Manfred Hillmann aus Meppen in seinem Vortrag sagte: "Wo ich Sinn fühle im Leben, Gehaltsfülle lebe, werde ich gelassener dem Leben gegenüber."


Fünf Themen für die Berichterstattung - Trends in der Trauerkultur 


Wieder zurück von der Messe, ging es erstmal daran, die wesentlichen Zitate aus dem Notizblock zu sammeln und in Themenbereiche zu unterteilen. Fünf Themen schließlich waren es, die sich für die Berichterstattung angeboten haben: 

Wenn Mediziner das Glauben empfehlen – wie Spiritualität in Sterbe- und Trauerprozessen helfen kann (veröffentlicht in den Osnabrücker Nachrichten von Mittwoch, 13. 5. 2015)

- Wie Notfallseelsorger in Akutsituationen arbeiten - ein Experte berichtet (veröffentlicht in den Osnabrücker Nachrichten von Mittwoch, 13. 5. 2015)

Trauerkultur im Wandelwie Beerdigungen und Trauerfeiern immer individualisierter werden (veröffentlicht in der Neuen Osnabrücker Zeitung von Samstag, 16. 5. 2015 - leider keine Onlineversion innerhalb von noz.de) 

- Durch Resilienz zurück ins eigene Leben finden - Wie sich die emotionale und seelische Krise einer Trauerphase meistern lässt – eine hilfreiche Kraft, aber nicht allmächtig (veröffenticht in den Osnabrücker Nachrichten von Sonntag, 17. 5. 2015)

Klarheit ab 2017: Wie lange darf Trauer dauern? - Unterschiedliche Bewertungssysteme erschweren die medizinisch-psychologische Einordnung – Lob für Trauerbegleitung  (veröffentlicht in den Osnabrücker Nachrichten von Sonntag, 17. 5. 2015)


So schöne Zitate, aber kein Kontext mehr - hier ist das "Best Of"


Wie immer nach so intensiven Tagen - in denen der emsig zuhörende Journalist Seite um Seite im Notizblock vollschreibt, alles erstmal notierend, mitnehmend und erst später in Cluster und Artikel aufteilend - blieben noch eine ganze Reihe an Zitaten im Notizblock haften, die leider nicht mehr in den Kontext der gewählten Themen gepasst haben. Weil es sich allerdings um einige sehr schöne Worte und Sätze handelt, die auch für sich allein stehen können, nutze ich den angenehmen Luxus dieses Blogs, die Zitate hier einfach so - ohne Einbettung in einen Kontext - für sich wirken zu lassen...: 

Das "Forum" auf der Messe "Leben und Tod" - ein Raum für Vorträge.  (Achenbach-Foto)

"Wir lernen doch am meisten von den Trauernden selbst." 
"Schuld können wir immer als die erste Verbindung stehen, weil ich noch keine andere habe."
"Wir müssen neu lernen,  was die soziale Dimension der Trauer beinhaltet."
Dr. Ruthmarijke Smeding, Psychologin und Trauerforscherin

"Der Tod eines anderen ist immer eine Verletzung des eigenen Selbst."
"Schuldgefühle entsprechen ja per Definition nicht tatsächlicher Schuld."
"Wir ermutigen in der Regel die Angehörigen dazu, den Toten noch einmal anzuschauen, das macht es greifbarer."

"Ich spürte, dass sich in der Nähe der Angst auch das Vertrauen aufhielt – eine heilsame Vertrautheit mit dem Thema Tod."
"Wo ich Sinn fühle im Leben, Gehaltsfülle lebe, werde ich gelassener dem Leben gegenüber."
"Das Vorbild von anderen Menschen ist das Wirksamste, das man sich so vorstellen kann."
"Sich dem Leben zuwenden, nicht grüblerisch mit der Endlichkeit umgehen, in die Bejahung des Lebens wieder hineinpendeln... das hilft."
"Es gibt den Homo sapiens und den Homo patiens."
Manfred Hillmann,Meppen (u. a. Logotherapeut)

"Kinder haben von Natur aus Eigenschaften, die Resilienz stärken."
"Sie können davon ausgehen, dass, wenn Kinder Fragen stellen, sie auch in der Lage sind, die Antworten auszuhalten."
Beate Alefeld-Gerges, Erfinderin des Trauerland-Konzepts


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Und im Trauerblog des Autors: Trauma - das ist ein großes Wort. Was ist der Unterschied zur Trauer? Ein Psychologe sagt: Das Thema Trauma wird schlecht vermittelt

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