Sonntag, 29. November 2015

Das Interview... - zur Musikmanagement-Konferenz 2015 in Neunkirchen am 4. 12. (#muma15) - Warum Kulturmanagement ein Zukunftsfeld ist und warum Kultur mehr sein muss als bloß "Nice To Have"


Osnabrück/Neunkirchen - Wenn am kommenden Freitag (4. 12. 2015) im saarländischen Neunkirchen die Konferenz "Stadt, Land, Kultur - Musicals im Diskurs" stattfinden wird, die auch als Musikmanagement-Konferenz 2015 bezeichnet wird (#muma15), darf der Autor dieses Blogs als Podiumsgast mit dabei sein. Aber warum eigentlich Musicals im Saarland? Und was genau ist eigentlich "Musikmanagement"? Weil es noch viele Fragen zu klären gibt, ist es Zeit für ein Interview mit einem der Verantwortlichen, das wir in zwei E-Mail-Durchgängen durchgeführt haben. Philipp Krechlak (29) ist auf Twitter bekannt als "Kulturkolibri" und ist als Vorstandsmitglied des "Muma Netzwerks" mitbeteiligt an der Planung und Organisation der Konferenz. Genau der richtige Mann also, der sich meinen Fragen aussetzen kann...


Als "Kulturkolibri" ist Philipp Krechlak auf Twitter sehr aktiv, als Vorstandsmitglied des Netzwerks Musikmanagement organisiert der 29-Jährige derzeit die am 4. 12. stattfindende Tagung.   (Privat-Foto)



Erste Frage, das kann ich Dir nicht ersparen, immerhin bist Du in Deinem digitalen Leben beim Blog "Musik mit allem und viel scharf" dabei und warst ebendort am Bayreuth-Fake beteiligt... Daher also: Die Konferenz findet wirklich statt und ist kein Fake? Ich stehe da nicht vor einer verschlossenen Halle, ja?

Philipp Krechlak: Ob du es glaubst oder nicht: Neben meinem Leben als Spaßvogel bei musik-mitallemundvielscharf.de kann ich mich auch dafür begeistern, ernsthaft zu arbeiten; v.a. gemeinsam mit anderen tolle Projekte zu realisieren. Die Konferenz findet also in fast jedem Fall statt (es kann ja immer irgendwas Ungeplantes dazwischen kommen, aber das wollen wir mal nicht hoffen). Ein Fake ist die #muma15 auf jeden Fall nicht!

Was genau muss sich denn der Otto Normalverbraucher eigentlich unter 
"Musikmanagement" vorstellen?

Philipp Krechlak: Musikmanagement ist ein sehr weites Tätigkeitsfeld. Das kann das Arbeiten im A&R-Bereich eines Majorlabels sein, die Planung von Proben und Konzerten eines Sinfonieorchesters, die Pressearbeit für ein Opernhaus oder das Buchen von Acts für ein Festival. Und die Grenzen etwa zu eigener musikalischer Tätigkeit, Kulturpolitik oder zu Musikjournalismus sind fließend. Musikmanagement heißt für mich daher, Musik zu ermöglichen. Also: Hervorragende Rahmenbedingungen schaffen für Künstler und Publikum.

Warum ist das wichtig?

Philipp Krechlak: Es gibt Menschen, die sind sehr gut darin, Musik zu machen oder zu komponieren. So gut, dass es schade wäre, wenn sie das nicht möglichst lange, intensiv und ungestört tun könnten. Und genau da setzt für mich die Idee "Musikmanager" an. Ich nehme anderen Arbeit ab, ich bin sozusagen ein Dienstleister, ein Teammitglied, das sich um das Drumherum kümmert, um Musikern die volle Fokussierung zu erlauben auf das, was sie am besten können: Mit Musik Menschen begeistern!

Noch schöner wäre ja "Mit Musik Menschen mitreißen", dann ist es eine tolle Total-Alliteration... Aber im Ernst: Ich kann mir also einen Musikmanager buchen, damit er mir Arbeit abnimmt - wobei er das sicher nicht für umsonst tun wird? Wo sind denn da die Abgrenzungen zum allgemeinen Manager?

Philipp Krechlak:
Einen Musikmanager zeichnet neben organisatorischen Kenntnissen auch aus, dass er oder sie musikalisch mehr als ein Grundlagenwissen mitbringt - und/oder ein Interesse an der Materie hat, am Dazulernen. In gewisser Weise - aber das ist sicher von Fall zu Fall unterschiedlich  - ist es mindestens gewünscht, wenn nicht sogar äußerst wichtig, dass ich Ansprechperson und Ratgeber auch in (sekundär) künstlerischen Belangen bin: Kenne ich die richtigen Menschen für meinen Künstler, meine Band, mein Ensemble etc., die das Gesamtergebnis bereichern können? Eine spannende und diffizile Aufgabenstellung. Aber dieses Beispiel "nah am Künstler" ist eben nur ein Teilbereich von Musikmanagement.


Zurück zur Tagung: Ist die Veranstaltung öffentlich, darf sich das jeder anhören?

Philipp Krechlak: Ja, selbstverständlich! Wir laden zur #muma15 ausdrücklich alle ein, die an einer Diskussion von tagesaktuellen Themen interessiert sind. Wir sprechen ja gerade Themen an - wie etwa die Entwicklung der ehemaligen Bergbaustadt Neunkirchen zur Musicalhochburg - die die Menschen vor Ort in ihrem Alltag berühren. Bürgerbeteiligung in den Gesprächsrunden ist bei uns ausdrücklich gewünscht!

Was waren die Themen der vorherigen Tagungen, wo fanden diese statt, wie
waren sie besucht und angenommen?

Philipp Krechlak: Wir haben bisher nur eine Abendveranstaltung im "Weltkulturerbe Völklinger Hütte" veranstaltet zum Thema "Die Zukunft der Musikwirtschaft im Saarland". Mit etwa 150 Teilnehmern war sie sehr gut besucht - vielleicht lag das aber auch am Gratissekt danach. 

Wie ist es zu dieser Tagungsreihe gekommen? Handelt es sich um rein
studentische Projekte?

Philipp Krechlak: Der Hauptveranstalter - gemeinsam mit der Stadt und der Kulturgesellschaft Neunkirchen - ist "unser" Musikmanagement-Netzwerk der UdS e.V. - Erste Alumni und Studierende des noch jungen Bachelor-Studiengangs Musikmanagement an der Universität des Saarlandes haben diesen Verein gegründet, um den wissenschaftlichen und theoretischen Teil des Studiums abzurunden durch starken Praxisbezug, um eine Stimme zu haben im hochschul- und kulturpolitischen Diskurs im Saarland und für einen über das Studium hinaus gehenden Austausch untereinander.

Was war für Euch als Veranstalter die wichtigste Lehre, die ihr aus der vorher stattfindenden Veranstaltung gezogen habt - also der mit dem Gratissekt?

Philipp Krechlak: Uns hat dabei sehr fasziniert, mit welchem Engagement und welcher Emotionalität die Diskussion - auch aus dem Publikum - geführt wurde und das sich als Resultat des Abends der regelmäßig tagende "Poprat Saarland" gebildet hat, bei dem wir uns auch einbringen. Dieser hat soeben die saarländische Ministerpräsidentin für ein Kreativkonzept für das gesamte Bundesland begeistern können. Das hat uns absolut fasziniert und das ist der Grund, warum wir beschlossen haben, fortan regelmäßig tagfüllende Konferenzen anzubieten.

Worum geht es diesmal - und wie kam es zu dieser Idee?

Philipp Krechlak: Diesmal geht es um Musicals und die freie Kreativwirtschaft. Im Saarland ist vieles in Saarbrücken konzentriert und da hebt sich eine Vision, wie sie die Stadt Neunkirchen mit ihrem Ziel "Musicalstadt" hat, schon deutlich von der Fläche ab.
Zum anderen gibt es in unserem Studiengang viele, die etwas eigenes aufbauen wollen: Mit ihrer Band, als Producer oder mit völlig anderen Ideen. Diesen wollen wir ein bisschen Handwerk und Wissen um Ansprechpartner mitgeben und ihnen so sagen: Traut euch!

Was erhofft Ihr Euch als Veranstalter von der Tagung?

Philipp Krechlak: Es gibt inzwischen einige Beispiele in Deutschland, die zeigen, dass eine städtische Strategie auf einem der beiden Felder (Musicals & Kreativwirtschaft) positiv zurück in die Stadtgesellschaft wirken kann. Vielleicht sorgen wir ja auch im Saarland an der ein oder anderen Stelle für den letzten Kick dahingehend. Es wäre wünschenswert, wenn Kultur im weitesten Sinne weg käme von einem Image als "nice to have". Kultur & Kreativität sollten als Kern, als Motor, als Quelle jeder Stadt und jedes Landstrichs erkannt und behandelt werden. Wir werden in jedem Fall weiter darauf hin arbeiten...

Weitere Infos zu der Konferenz gibt es auch auf diesem Blog....

Krechlak, Philipp Krechlak. Angehender Kulturmanager. Gibt per E-Mail gerne zu: "Habe inzwischen weniger Haare".   (Privat-Foto)

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