Dienstag, 29. Dezember 2015

Lustiges Filmzitate-Raten mit J.J. Abrams - warum "Star Wars 7 - Das Erwachen der Macht" noch viel mehr ist als eine gigantische Hommage an die Star-Wars-Serie - und was uns der Soundtrack schon jetzt über die kommenden Filme verrät (inkl. einer Filmkritik am Ende)

Eine der Hauptrollen im neuen Film spielen die Stormtrooper - das ist spannend. Dieses Foto zeigt ein paar Spielfiguren der Original-Kenner-Serie aus den 80er Jahren (stehen übrigens zum Verkauf, bei Interesse bitte melden).   (Achenbach-Foto)


Osnabrück - Viel ist schon gesagt worden zum neuen "Star Wars"-Film "Das Erwachen der Macht" - manches davon ist zustimmenswert, manches weniger. Und, klar, der Film lebt einzig und allein davon, dass er als gigantische Hommage und Collage einfach alles zitiert, was "Star Wars" bisher geboten hat. Doch nur wenige Auskenner haben sich bislang geäußert zu den zahlreichen Filmzitaten auch ganz außerhalb der "Star-Wars"-Serie, von denen der Autor dieser Zeilen ein paar entdeckt zu haben glaubt...

Denn so wie J.J. Abrams schon den schlichtweg großartigen "Super 8" zu einem Festival an Filmzitaten aus den 80er Jahren gemacht hat, lässt sich auch in "Das Erwachen der Macht" vieles entdecken, was einem irgendwie bekannt vorkommt. Die hier im Folgenden aufgelistete Reihe von Zitaten ist sicherlich noch unvollständig, es mögen sich die echten Film-Freaks und Auskenner bitte berufen fühlen, sie gerne und beherzt weiter fortzusetzen... Allein, einen Anfang zu setzen ist die Idee dieses Textes...


Klar erkennbare Filmzitate:


 - Total Recall (mit Arnold Schwarzenegger): Der Folter-und-Gefangenen-Stuhl, in dem der Bösewicht Kylo Ren die hübsche Rey gefangen hält, hat mit seinen metallenen Armfesseln und den seitlich am Kopf angebrachten Stäben wohl nicht nur zufällig eine frappierende Ähnlichkeit mit jenem Stuhl, in dem Schwarzenegger in Paul Verhoevens erster "Total Recall"-Verfilmung sein Marsabenteuer zusammenphantasieren möchte. 

 - Aliens, die Rückkehr: Wenn in Han Solos neuem Frachter das überaus gefräßige Ein-Maul-Monster mit seinen vielen Tentakeln losgelassen wird (das mir übrigens auch ganz schrecklich bekannt vorkommt, ich komm bloß nicht drauf, woher?), beginnt eine wilde Hatz durch klaustrophobische endlose Gänge mit ewig in Gelb blinkenden Warnleuchten. Dieses Motiv entstammt eins zu eins der 1986er-Alien-Fortsetzung.

- Harry Potter: Kaum nimmt Bösewicht Kylo Ren seine Maske ab und seinen Zauberstab aka sein noch nicht aktiviertes Leuchtschwert in die Hand, sieht er mit den eingefallenen Gesichtszügen in seinem rabenschwarzen Umhang exakt so aus wie Ralph Fiennes als Lord Voldemor. Reiner Zufall? Oder absichtlich eingebautes Filmzitat? Liefert ein J.J.Abrams überhaupt Zufälle ab?

- Der Herr der Ringe: Der neue Imperator Snoke, der diesmal "Supreme Leader" heißt, bzw. seine Projektion auf dem Mega-Thron ist ganz klar die Gigantomie-Version von "Gollum". Dass das Wesen und sein Thron dabei so gestaltet sind wie Abraham Lincoln auf seinem steinernen Sitz des "Lincoln Memorials" in Washington, D.C., ist gewiss auch kein Zufall. Die Tatsache, dass diese Figur vom Komponisten John Williams ein eigenes filmmusikalisches Leitmotiv bekommen hat (anders als Kylo Ren, jedenfalls gibt der Soundtrack keines her), könnte darauf hindeuten, dass noch Größeres geschehen wird mit diesem Überbösewicht. 

- Wall E: Zuckersüß, der neue Kugelroboter BB 8 mit seinen menschelnden Emotionen und seinen lustigen Quietschgeräuschen. War die Zeichentrickfigur "Wall E" noch die verniedlichte Animations-Fortentwicklung der R2-D2-Serie, ist BB 8 nun wiederum ein ganz klar von "Wall E" inspirierter kleiner Kugelhaufen. Überhaupt, der Name: Englisch ausgesprochen, wird aus dem "Be Be Eight" schnell ein "Baby Eight". Hach, süß! 

- Und, irritierenderweise: "Alvin And The Chipmunks" (sic!): Auf einem nicht weiter benannten Planeten kommen unsere Helden bei der weisen alten Frau Maz Kanata mit ihrer fetten Megabrille und der orangefarbenen Haut unter, die bei besonders stark auftretender Kurzsichtigkeit ihre Brillengläser wie Lupen einsetzen kann, so dass die Augen wie Comicpupillen auftreten. Und, siehe da, es ist Simon bzw. Jeanette von Alvin und den Chipmunks.


Spekulativere und interpretierte Filmzitate:

- Battlestar Galactica: Das stammt nicht von mir, sondern von einem sehr guten Kumpel und Sci-Fi-Auskenner. Dass im neuen Star Wars teilweise mit Raketen geschossen wird, die Spuren hinter sich herziehen, sei eher von der 80er-Jahre-"Galactica" abgeleitet als vom Original Star Wars, sagt er. 


- Lost: Am Ende des Films hebt sich die Kamera in einer wilden Hubschrauberfahrt über die schroffen Berghänge einer Insel im Meer hinweg. Man mag darüber streiten, ob das Absicht ist, und es ist erkennbar eher Irland als die Karibik, aber, ja, auch in J.J. Abrams Erfolgs-Serie "Lost" gab es genau solche Kamerafahrten über genau solche schroffen Felseninseln. Mehrmals.

- Little Shop Of Horrors: Wenn einen die gefräßigen Ein-Maul-Monster an etwas erinnern, dann vielleicht an Audrey 2 - wobei die natürlich keine Tentakel hatte, sich nicht fortbewegen konnte und insgesamt etwas schwerfälliger war. Aber immerhin auch ein Ein-Maul-Monster mit viel Grün drumherum. 


Noch ein paar Anmerkungen zum Film (Spoiler!)


Das Überraschendste am neuen "Star Wars" ist sicher, wie wenig Überraschendes er uns anbietet. Zwar will der "Spiegel" festgestellt haben, dass der neue Film in seinem letzten Drittel eine neue Eigenständigkeit bekommt und sich freizuschwimmen beginnt von den Vorgängern - davon hat der Autor dieser Zeilen indes nur wenig zu spüren bekommen (stattdessen lebt gerade das Finale von altbekannten Filmsequenzen wie dem Anflug auf den Todesstern durch einen Graben hindurch etc.). Nein, stattdessen nimmt der neue Film ganz einfach alles, was es in den ersten drei Teilen (also den Nummern 4 bis 6) schon gegeben hat, und macht es größer, wilder, bunter. Es gibt keinen Todesstern, sondern einen Todesplaneten. Es gibt wieder einmal ein Vater-Sohn-Motiv in einer neuen Variation. Und wenn jemand einen langen schmalen Steg über einem schwarzen Schlund betritt (mit nichts als roten Positionslichtern an den Seiten des Übergangs), ist klar, dass bald eine zweite Person dazutritt und eine von beiden in den Abgrund stürzen wird. Familienfehden sollten doch besser an anderen Orten ausgetragen werden. Jedenfalls im "Star Wars"-Universum.


Es wird viel härter gestorben als vorher



Es war einmal: So jung und glatt im Gesicht werden wir Han Solo wohl nie wiedersehen, auch wenn er im neuen Film eine wichtige Rolle spielt. Auch diese Figur aus der Original-Kenner-Serie steht, wie alle, zum Verkauf.  (Achenbach-Foto) 


Alleine die Tatsache, wie offensiv und erkennbar in diesem Film gestorben wird, ist etwas Neues. War in den ersten drei Filmen (Nr. 4 bis 6) noch gar nicht so klar, ob die Stormtrooper eigentlich Humanoiden sind oder nicht doch nur Maschinen, erleben wir sie diesmal als überaus menschlich. Das macht jeden Niedergemähten und verkrampft liegenbleibenden Soldaten zu einem härteren Opfer als zuvor (und es gibt eine Menge, eine Menge und eine Menge verkrampft liegenbleibender Stormtrooper, teils mit sichtbaren Einschusslöchern). Da ist so ganz nebenbei eine neue Härte und Ernsthaftigkeit ins poppig-bunte "Star-Wars"-Universum eingezogen, von der wir in den kommenden Filmen ggf. noch mehr zu spüren bekommen.


Da bahnt sich was an - der General ist am bösartigsten


Auch General Hux, der rothaarige Adjudant des "Supreme Leaders" Snoke, der zwar eine Nebenrolle bekleidet, im neuen Film aber dennoch wie eine Art neuer Über-Hitler aufgebaut wird, zeigt diese neue Härte im Sternenkrieger-Franchise. Seine Getriebenheit und Ehrgeizigkeit weiß der Darsteller Domhnall Gleeson in ebenjener Szene voller Hitler-NS-Parteitags-Andeutungen überzeugend und eindrucksvoll darzustellen - sie ist mit eine der größten Überraschungen dieses ansonsten eher wenig innovativen Films. 


Nicht allein die Selbstironie ist das Eintrittsgeld wert


Ansonsten folgt Raumschlacht auf Raumschlacht, es gibt riesige Monster, viel Technik-Schnickschnack, altbekannte Familientragödien, alles ist groß und bunt und schnell und toll (vor allem in 3D)  - und alleine die von allem Ehrgeiz befreite Selbstironie, mit der Harrison Ford seinen Han Solo als Persiflage des Heldenmythos austattet, ist das Eintrittsgeld wert. Dass auch ein Chewbacca vom wilden Zottelkrieger zum eher weichlichen Sidekick avanciert, sorgt für zusätzliche Schmunzler. J.J. Abrams gelingt der schwierige Spagat zwischen liebevoller Verhohnepiepelung und ehrfürchtiger Hommage scheinbar spielerisch. Das Finale des Films ist ein ikonographisches Spiel mit den Erwartungen des Publikums. Mehr kann man vermutlich nicht erwarten von einem "Star Wars 7". Vom achten Teil aber schon - der muss sich dann tatsächlich freischwimmen können. Wir sind gespannt. 


Hat auch einen Gastauftritt im neuen Film, wenn auch mehr als Fragment...: Darth Vader (Kenner-Spielfiguren der 80er Jahre).  (Achenbach-Foto)

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