Sonntag, 22. Mai 2016

Leute, redet wieder über Tod und Sterben und bleibt locker dabei - neue Zeitschrift "Drunter & drüber" setzt sich für eine entspanntere "Endlichkeitskultur" in Deutschland ein


Eine neue Zeitschrift, grafisch aufwändig, inhaltlich lockerleicht trotz schwergewichtigen Themas. "Drunter und drüber" - der Name ist symptomatisch.    (Thomas-Achenbach-Foto)

Osnabrück/Bremen – Wenn es um die Themen Tod und Sterben geht, ist bei den Menschen immer eine Anspannung zu spüren, hat Frank Pasic beobachtet. „Darüber sind keine entspannten Gespräche möglich.“ Aber warum eigentlich? Der 45-Jährige möchte das jetzt ändern. Er will einen Anteil dazu leisten, die Menschen wieder mit einer „Endlichkeitskultur“ in Kontakt zu bringen, die unserer modernen Gesellschaft nach seiner Beobachtung abhanden gekommen ist – das ist sein persönlicher Ehrgeiz, wie Pasic im persönlichen Gespräch mit dem Blog-Autoren auf der Messe „Leben und Tod 2016" in Bremen berichtete.


Ehrgeiziges Ziel, spannende Umsetzung: "Drunter und drüber"


Der Weg, den er dafür wählte, war ein klassischer: Pasic entwarf eine Zeitschrift. „Drunter und drüber“ heißt sie, eine Wortschöpfung des ebenfalls an dem Projekt beteiligen Juristen Prof. Dr. Tade Matthias Spranger. Die zweite Ausgabe erschien kurz vor der Messe. „Hirntod und Organspende“ ist das zentrale Thema des zweiten Heftes, während sich die Erstausgabe dem Thema „Vom Leben und Arbeiten mit dem Tod“ widmete.


Bunte Farbwelten statt staubigem Schwarzweiß


Blättert man durch die Zeitschriften, fällt einem die moderne, originelle und anspruchsvolle grafische Gestaltung ebenso auf wie die bunten Farbwelten – hier geht es nicht angestaubt und schwarzweiß zu, sondern so lebendig und vielfältig wie der Tod und das Sterben eben sind (und das Leben, nicht zu vergessen).


Bei Erfolg Ratlosigkeit: "Sind noch in der Findungsphase"


Auch wenn das Magazin bereits einen fertig konzipierten Eindruck macht: „Wir sind noch immer in der Findungsphase“, sagt Pasic. Das zeigt sich vor allem am Vertrieb der Zeitschrift. Ein Abomodell für das im Sechs-Monats-Rhythmus erscheinende Projekt ist vorerst nicht geplant, die Hefte sind nur über den eigenen Onlineshop verfügbar. Wird das Magazin ein durchschlagender Erfolg, weiß Frank Pasic noch nicht genau, wie es weitergehen soll, wie er im Gespräch verrät. „Dann werden wir andere Lösungen finden müssen, was den Vertrieb und die Finanzierung angeht.“ Aber das war auch vorerst nicht das Ziel. Sondern: Erstmal machen, dann gucken. Und der Start? Ging gut.


Keine Anzeigen im ganzen Heft - wie geht denn das?


Was beim Durchblättern ebenfalls auffällt: Die Magazine sind befreit von Anzeigen. Aber wie finanziert sich das Projekt dann?


"Aber wir müssen nicht ,Daumen hoch ' machen, oder?" - fragte Buchautorin Juliane Uhl (rechts) bei der Aufnahme dieses Bildes. Nein, keine Sorge. Gerechtfertig wäre es dennoch, immerhin sind die Redakteurin Uhl und der Herausgeber Frank Pasic sehr stolz auf ihr Zeitschriftenprojekt.    (Thomas-Achenbach-Foto)

Hinter der Zeitschrift steckt die „Funus Stiftung“, eine Einrichtung aus Halle, die sich laut Satzung für eine „,Aufwertung der Bestattungskultur in Deutschland“ einsetzt und sich gegen eine reine „Entsorgungsmentalität im Todesfall“ ausspricht. Frank Pasic ist zugleich der Geschäftsführer dieser Stiftung, die aus einem ehemaligen „Volks- Feuerbestattungsverein“ hervorgegangen ist.


Wie stellst Du Dir Dein eigenes Sterben vor?


Wie auch andere Feuerbestattungsvereine dieser Zeit setzte sich der Verein in den 1920er Jahren für eine würdige Bestattung seiner Mitglieder ein, wie Frank Pasic im Gespräch erzählte. Während der DDR-Phase war die Einrichtung eher inaktiv, erst nach der Öffnung der Grenzen stand die Frage im Raum: Was machen wir jetzt mit dem Vereinsvermögen? Das Ergebnis war die Funus-Stiftung. Die mit dem Magazin „Drunter und drüber“ jetzt entspannte Zugänge zu gar nicht so leichten Fragen schaffen will. Fragen wie: „Wie stellst Du Dir Dein eigenes Sterben vor? Was wünschen sich Deine späteren Hinterbliebenen von Dir?“. 


Der Vater hatte alles geplant - für die eigene Trauerfeier


Hintergrund seiner Motivation sind eigene Erfahrungen, die Pasic 2009 mit dem Tod seines Vaters gemacht hatte. Dieser hatte sehr konkrete Anweisungen hinterlassen, wie er sich seine eigene Trauerfeier vorstellte – was die Hinterbliebenen als große Erleichterung empfangen. „Das war eine wunderschöne Abschiedsfeier“, erinnert sich Pasic. „Ich bin heute noch so dankbar, dass es diese konkrete Anweisungen gab“. So etwas müsste es öfter geben, meint Pasic – und möglich sei es nur, wenn in Deutschland wieder mehr über den Tod und das Sterben gesprochen würde.


"Drei Liter Tod" verkauft sich gut


Pasic, der ursprünglich als Jurist und Rechtsanwalt tätig war, ist der Herausgeber des Magazins. Zum Team gehört auch die Buchautorin Juliane Uhl, die die Öffentlichkeitsarbeit für ein Krematorium macht und mit ihrem Buch „Drei Liter Tod“ einen Verkaufserfolg landen konnte, der sie selbst überrascht hatte, wie die 35-Jährige erzählt. Hervorgegangen war das Buch aus einem Blog über den Tod, den die studierte Soziologin und Kommunikationswissenschaftlerin zuvor betrieben hatte.


Der Tod ist ein Frauenthema


Der Tod, haben die Magazinmacher beobachtet, ist übrigens vor allem ein Frauenthema – „das sehen wir anhand der Bestellungen“, wie Pasic sagt.

Der Autor dieser Zeilen bietet Trauerbegleitung in Osnabrück sowie im Osnabrücker Land an und hat eine Ausbildung zum Trauerbegleiter absolviert (Große Basisqualifikation gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung). Mehr Infos gibt es hier

Ebenfalls im Trauerblog des Autors: Was bringt eigentlich Trauerbegleitung? Was kann sie leisten und was nicht? Ein Interview. 

Ebenfalls im Trauerblog des Autors: Zehn Tipps für einen hilfreichen Umgang mit Trauernden - für Angehörige, Freunde und Kollegen

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