Sonntag, 30. Oktober 2016

Es muss nicht immer die MET sein: Auch die Bayerische Staatsoper bietet Opern aus einem großen Haus als Live-Übertragung aus dem Theatersaal an (wieder am 15. 1., Sonntag)



Großes Haus, nicht nur von außen, auch von der Bedeutung her: Die Bayerische Staatsoper aus München gilt als eines der führendsten Opernhäuser der Welt. Auch von dort gibt es Oper live zu erleben.  (Staatsoper-Pressefoto mit freundlicher Genehmigung)

Osnabrück/München - Es muss nicht immer die MET sein, wenn es um Live-Übertragungen von Opern geht. Und es muss auch nicht immer so teuer sein (immerhin kostet jede MET-im-Kino-Karte stolze 29 Euro). Auch eines der größten und führendsten Häuser Deutschlands, die Bayerische Staatsoper aus München nämlich, überträgt einen Teil ihrer Opernproduktionen als Live-Erlebnis für alle, die nicht selbst im Theater sein können. Und das sogar kostenlos. Alles, was es dafür braucht, ist ein Mausklick und ein Internetzugang. Am 15. 1. (Sonntag)  ist es wieder soweit, dann gibt es eine große Gala aus dem klassischen Opernhaus.

Dafür muss der geneigte Klassikfan zwar auf die Dunkelheit und Leinwandgröße eines Kinosaals wie im Fall der MET-Übertragungen - und damit auf die stärkere Unmittelbarkeit und Direktheit eines Live-Erlebnisses - verzichten, aber große Namen und große Stoffe gehören auch hier zum Programm. So war es beispielsweise auch am 6. 11. (auch ein Sonntag), als der Weltstar Elīna Garanča in der tragischen Oper "La Favorite" von Gaetano Donizetti zu sehen war. Am Pult: Ihr Mann Karel Mark Chichon. Das sagten die Kritiker nach der vor kurzem erfolgten Premiere: Mag die Inszenierung auch ihre Schwächen haben (Regie: Amélie Niermeyer), überzeugen doch das Orchester und die Solisten und der Stoff sowie hier und da das Bühnenbild. 


Große französische Oper - von einem Italiener -, großes Bühnenbild: "La Favorite" aus der Bayerischen Staatsoper überzeugt Kritikern zufolge in Teilen.   (Wilfried-Hösl-/Staatsoper-Foto mit freundlicher Genehmigung)

Staatsoper.TV in High-Tech: Sechs Kameras und 40 Mikrofone


Wichtig ist: Die Live-Übertragungen gibt es tatsächlich nur in Echtzeit, nicht später, nicht über eine Mediathek. Wer also den Starttermin verpasst (alle Termine liegen auf Sonntagen, die Startzeiten variieren jeweils von 16 Uhr bis 19 Uhr), der verpasst alles und kann es nicht nachholen. Mit diesem Live-Projekt geht die Staatsoper nun bereits in die fünfte Saison. Und lässt sich das kostenlose Spektakel offenbar einiges kosten. Sechs Kameras im Zuschauerraum übertragen das Bild auf www.staatsoper.de/tv. Bis zu 40 Mikrofone im Orchestergraben und auf der Bühne sorgen für die stimmige Tonqualität. Das Videobild wird nach Angaben der Staatsoper-Pressestelle in High Definition (Full-HD) produziert. Alle Streams (also die ohne Untertitel oder die mit deutschen oder englischen Untertitel) werden in drei verschiedenen Übertragungsqualitäten (Low, High, HD) angeboten, so dass Zuschauer die Übertragung an ihre Internetverbindungen anpassen können. Intendant Nikolaus Bachler führt vor jedem Live-Stream in das Werk ein, in den Pausen gewährt die Staatsoper Einblicke in den Backstage-Bereich des Hauses. Untertitel in deutscher und englischer Sprache vervollständigen das Angebot.

Große Namen: Harry Kupfer, Kirill Petrenko, Klaus Florian Vogt & mehr


Zu erreichen ist der hauseigene Fernsehsender des Hauses mit dem Namen "Staatsoper.TV" über die Website der Staatsoper (zum direkten Zugang bitte hier klicken). Das dort gezeigte Programm ist allein deswegen interessant, weil es auf die ewig gezeigten Immergleichen wie den Puccini-Verdi-Tschaikowsky-Mozart-Katalog weitestgehend verzichtet und stattdessen auf etwas seltener zu sehende Stoffe setzt (bis auf Wagners Meistersinger, die Anfang Oktober übertragen wurden, und Wagners Tannhäuser, mit dem die aktuelle Live-TV-Saison im Juli enden wird). Zum zweiten, weil von Dirigenten wie Kirill Petrenko über Bühnen-Stars wie Klaus Florian Vogt oder Joyce DiDonato bis zu Regisseuren wie Harry Kupfer viele der wichtigsten künstlerischen Kräfte zu erleben sind, die das Genre Oper weltweit derzeit zu bieten hat. Gerade Kupfer und die von ihm neu gesetzte Lady Macbeth von Minsk könnten spannend werden - am Sonntag wissen wir mehr.

Das weitere Live-TV-Programm der Bayerischen Staatsoper im Überblick (zu erreichen ist die Website über diesen Link):

Am So., 4. Dezember 2016, 19 Uhr:
Lady Macbeth von Mzensk (Schostakowitsch)
Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Inszenierung: Harry Kupfer
Mit Anatoli Kotscherga, Sergey Shorokhodov, Anja Kampe, Alexander
Tsymbalyuk

Am Sonntag, 15. Januar 2017, 18 Uhr:
Große Gala mit Stars des Bayerischen Staatsballetts
Solisten und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts

Am Sonntag, 26. Februar 2017, 18 Uhr:
Semiramide (Rossini)
Musikalische Leitung: Michele Mariotti
Inszenierung: David Alden
Mit Joyce DiDonato, Alex Esposito, Daniela Barcellona, Lawrence Brownlee

Und am Sonntag, 9. Juli 2017, 16 Uhr:
Tannhäuser (Wagner) 
Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Inszenierung: Romeo Castellucci
Mit Georg Zeppenfeld, Klaus Florian Vogt, Christian Gerhaher, Anja
Harteros, Elena Pankratova

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Elīna Garanča in "La Favorite".   (Wilfried-Hösl-/Staatsoper-Foto mit freundlicher Genehmigung).


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