Freitag, 25. Mai 2018

Mein Mai-Mischmasch und Kulturpuzzle: Netflix überrascht mit Thrillerserie "Safe", Maiwoche in Osnabrück überrascht mit Anarchie und überrascht ansonsten eher weniger - und das "Toto"-Tribute war wirklich verhagelt -- #Monatsnotizen

Osnabrück - Hier und da was aufgeschnappt, hier und dort etwas miterlebt oder angeguckt, ergibt sich ja auch so eine Art Kulturpuzzle aus dem Ganzen. Oder sollten wir sagen, ein Mixmax? Im Monat Mai 2018 sieht das jedenfalls bislang wie folgt aus:

Dass eine Serie auf Netflix nicht ganz so läuft, wie es sich der Sender erhofft hatte, ist leicht zu merken. Dann fummelt Netflix nämlich immer wieder am offiziellen, ja, wie soll man das nennen, "App-Plakat" (?), herum. Also an dem optischen Zeichen/dem Plakatersatz, das oder der für Wiedererkennung sorgen soll. Im Fall der europäisch-amerikanischen Koproduktion "Safe" ist dieses nun bereits dreimal geändert worden. Jedenfalls auf der Netflix-Startseite. Klickt man darauf, kommt links oben neben der Episodenliste ein wirklich merkwürdiges Foto von einer jungen Frau mit irgendwie halbverzerrten Augen auf einer Gesichtshälfte, so dass ich erst dachte, es handele sich um eine Serie über Menschen mit Down-Syndrom. Ist aber falsch gedacht, ist eine Thrillerserie mit viel Krimielementen und vielen Twists. Und lohnt sich durchaus. 


"Dexter'" macht einen auf englischsprachiger Chirurg mit falschem Akzent, aber hätten daran nicht so viele Kritiker herumgemöppelt, wäre es mir kaum aufgefallen: "Safe" mit Michael C. Hall ist ein Suchterfolg auf Netflix.  (Netflix-Media-Center-Foto)

Nur acht Folgen lang, die sich hervorragend zum, wie es meine Frau sagen würde, "suchten" eignen, dsa macht den zeitlichen Einsatz für "Safe" zudem überschaubar. Letztlich irgendwie eine Whodunnit-Krimihandlung um einen toten Teenager, behandelt die Serie eine eigentlich als sicher geltende, weil komplett von einem Zaun umschlossene Siedlung innerhalb des Stadtgebiets von, ich nehme an, London (das bleibt offen). Aber wie sich herausstellt, sind es die Menschen und ihre Geheimnisse, die den größten Unsicherheitsfaktor mit sich bringen. Und da hat dann so ziemlich jeder etwas zu verbergen, wie der Chirurg Tom Delaney alsbald erkennen muss - ich habe "Dexter" nie gesehen und erkenne, obwohl ich es im O-Ton gucke - ich gucke alles im O-Ton -, in dem vielgescholtenen auf britisch getrimmten Akzent des US-Darstellers Michael C. Hall nichts wirklich Ausschimpfenswertes, also macht mir die Serie großen Spaß. Rasant erzählt, mit ständigen Plot-Twists und einer Gott sei Dank nur sehr dezenten Seifenoperngrundnote, ist das eine hervorragende Thrillerserie. Die übrigens noch etwas wirklich Bemerkenswertes hervorgebracht hat:


Geniale Musik, frisch entdeckt, Netflix sei Dank


Nämlich die Musik. Was der englische Musiker Barnes Courtney hier an Indie-Western-Stampf-Pop-Crossover anbietet, gehört sich angehört, weil: Einfach richtig geile Musik. Dabei ist der Youngster - geboren 1990 - derzeit mal gerade 27 Lenze jung. Stampfende Rhythmen, markante Melodien und eine an der Lebens- und Leidensintensität der Jugend dauerüberreizte Grundstimmung schaffen ein ebenso flirrendes wie faszinierendes Klangkorsett mit einer Grundnote an Düsternis, wie geschaffen für eine solche Serie. Wäre auch genial passend zur ersten Staffel von "True Detective", die mit einem recht ähnlichen Titelintro daherkommt, stilistisch wie musikalisch (meiner Meinung nach übrigens eine der besten TV-Serien aller Zeiten, siehe meine aktuelle Top Ten der besten Serien...). Also, das Debütalbum "Attractions Of Youth" ist mal wieder eine CD für die Muss-ich-mir-mal-kaufen-Liste. Apropos Musik und CDs kaufen. 


Maiwoche zu Ende und wieder alle so: War auch mal besser


Hier in Osnabrück diskutieren gerade mal wieder alle über die so genannte und gerade zu Ende gegangene Osnabrücker Maiwoche, das hiesige Stadtfestival, das immer Mitte Mai rund um die Eisheiligen stattfindet. Ziemlich gefährlicher Zeitraum für sowas, eigentlich, denn oftmals ist es dann wirklich arschkalt. Ich erinnere mich an ein Konzert der Toto-Coverband "Mindfields" vor dem Rathaus, bei dem mir der Maibock fast an den Fingern festgefroren wäre. Dieses Jahr hatten aber alle Glück. Also jedenfalls meistens: Herrlichstes Sommerwetter, wie es feiner gar nicht mehr geht, prägte die meisten Maiwochentage. Nur das Wiedersehen mit Mindfields wurde nix, da gab es Hagelschauer und Gewitterunwetter wie sonst nie und als ich gerade im Bus in die Stadt saß, kam die Nachricht: Maiwoche bleibt aus Sicherheitsgründen erstmal geschlossen. Mist, denn die sind wirklich mal eine richtig richtig gute Covertuppe und waren fast die einzige Band, die ich diesmal wirklich gerne gesehen hätte. Okay, aber das Kapitel Maiwoche ist nun auch geschlossen. Tja, und jetzt alle wieder so: Ach, die Maiwoche war auch mal besser... Oder: Weißt Du noch, damals... Oder: Ehrlich, sooo viele Besucher sollen das gewesen sein? Aber, mal ehrlich: Das sind doch irgendwie jedes Jahr dieselben Diskussionen. Ehrlich. So geht das schon, seit ich Bier bestellen kann. Egal, mein Lieblingskonzert diesmal - und gleichzeitig eine infernalisch gute musikalische Entdeckung: Thomas Blug und seine Rockanarchie.


Guter Mann, gute Show: Thomas Blug und Bassist und Sänger Rudi "Guli" Spiller beim Maiwochen-Auftritt der Rockanarchie 2018 vor dem Rathaus - Bildergalerie von der Maiwoche beim Marktplatz Osnabrück über diesen Link....(Joachim-Viertel-/OMT-Foto mit freundlicher Genehmigung).

Was der Mann da mit seiner Gitarre und seinen zwei Begleitern auf der Bühne als Rockshow abgezogen hat, wäre im hiesigen Rosenhof locker einen 24-Euro-Eintritt wert gewesen. Bekannte Klassiker in einem immer irgendwie eigenen Gewand, aber dabei so unaufdringlich neu eingekleidet, dass es noch unprätentiös genug und erkennbar genug geblieben ist, in der Musikmischung angenehm viel Deep Purple und Led Zep dabei und kleine Schmankerl wie das hübsche "Talking In Your Sleep" von den Romantics als Einleitung für ein über Santanas "Black Magic Woman" bis zum Drumsolo führendes Medley, so macht der Abend richtig Spaß. Und weil solche Künstler unterstützt gehören, am Ende noch zwei CDs gekauft. Übrigens: Das war ganz hervorragend abgemischt, das Ganze! Glasklarer Sound, sehr präsent, gut ausgesteuert, laut, aber eben nicht ohrenzermürbend. Das ist auf der Maiwoche durchaus nicht immer so. Besucher der von der NOZ präsentierten Bühne an der Georgstraße beklagten mehrfach einen irgendwie unausgewogenen Soundbrei - z. B: bei Frank und seinen Freunden - und das von mir etwa drei Songs lang miterlebte Konzert der Coverband "Echtzeit" klang auch nicht ganz so dolle. Okay, aber als ich da war, spielten die gerade "51st State" von der New Model Army, da passt natürlich so ein Garagenklang ganz gut drauf. Zu a-ha dann aber eher nicht so. Tja. Und was ist gerade sonst noch so?


Keine Tapes, sondern Polaroids - aber dennoch interessiert mich die zweite Staffel von "Tote Mädchen lügen nicht" nicht so wirklich.  (Netflix-Media-Center-Foto) 

Nun ja, die zweite Staffel von "Tote Mädchen lügen nicht" auf Netflix ist angelaufen und interessiert mich, anders als vor einem Jahr die erste Staffel, irgendwie überhaupt gar nicht mehr. Obwohl sich meine bereits vor einem Jahr geäußerte Ahnung, es könnte mit einem Amoklauf weitergehen, durchaus bestätigt. Und Kollege Hülsmann würde hier gerne einen Text lesen mit der Überschrift: "Wenn der Enthusiast einmal kneift..." - weil das Theaterabo eigentlich die moderne Oper "San Paolo" vom Theater Osnabrück auf dem Programm stehen hatte, aber die Anziehungskraft des Bieres dieses eine Mal irgendwie viel größer war. Von wegen Opernenthusiast und lokaler Kulturblogger, hier. Auweia. Und dass der hammergeniale Southside Johnny mit seinen hammergenialen Asbury Jukes am 17. 7. in den Rosenhof nach Osnabrück kommt, ist zwar eigentlich genial, aber für mich leider gar nicht, denn ausgerechnet an dem Tag habe ich schon eine andere Verpflichtung. Verdammt. Das war dann der zweite Moment im Mai, wo ich mir ehrlich in den Hintern gebissen habe. Der erste war die Sache mit Mindfields. Da habe ich aber ehrlich gesagt nochmal richtig Glück gehabt: Ich also aus dem Bus raus, an diesem Sonntag, und dann zu Fuß durch die Wüste nach Hause gelaufen. Wüste, das ist ein Stadtteil hier; ehrlich, der heißt so. Und das sich gerade wieder neu aufladende Gewitter mit seinem Gerumpel immer direkt hinter mir her. Kommt gleich von drei Seiten angerollt und dahergerumpelt und kesselt mich so richtig ein, wie im Film. So laufe ich also über den nach Hause führenden Haunhorstberg. Mehr ein Hügel, eigentlich. Und gerade als ich zuhause ankomme und den Schlüssel ins Schloss stecke, setzt der Regen ein und prasselt wie Sau herunter. Ja, okay, hätte dann auch keinen Spaß gemacht mit  Mindfields. Die spielen jetzt übrigens am 30. 8. in der Lagerhalle in OS. Da wird es dann ja wohl nicht hereinregnen, also: Wetter egal, also hin. 

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